Black Forest
Kritik
Manchmal begegnet einem ein Buch, das einen nicht mehr loslässt, weil es genau diesen bittersüßen Mix aus Heimatgefühlen, Geheimnissen und echter Spannung hinbekommt – „Black Forest“ von Wolfgang Schorlau schafft genau das. Wer auf Krimis steht, die nicht nur durch actionreiche Szenen punkten, sondern auch mit einer tief verwurzelten Familiengeschichte und politischem Hintergrund, der ist hier genau richtig.
Im Herzen des Schwarzwaldes entfaltet sich eine Geschichte um Georg Dengler, der aus Sorge um seine Mutter zurückkehrt auf den alten Familienhof. Dort verstrickt er sich in rätselhafte Ereignisse: mysteriöse nächtliche Besucher, ein Konflikt um ein windradverdächtiges Grundstück und überraschend viel Unausgesprochenes in seiner eigenen Familienvergangenheit. Schorlau lässt die Geschichte in einem wunderbaren Spannungsbogen wachsen, ohne dabei auf billige Thriller-Klischees zurückzugreifen.
Georg ist ein Protagonist, der menschlich und nahbar wirkt – keine überzeichnete Detektiv-Ikone, sondern jemand, der mit seiner Vergangenheit ringt, mit dem Wandel seiner Heimat und vor allem mit seiner eigenen Rolle darin. Die Nebenfiguren sind nicht nur Staffage, sondern tragen mit ihrer eigenen Geschichte und Haltung deutlich zu der dichten Atmosphäre bei. Besonders die Jugendliebe, die zugleich Heilpraktikerin ist und sich gegen das Windrad stellt, sorgt für interessante emotionale und ideologische Reibungen.
Schorlaus Schreibstil ist schnörkellos, präzise und dennoch mit einer Prise Lakonie gewürzt, die dem Buch eine gewisse Lockerheit gibt, ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Das macht das Lesen angenehm fließend und man spürt, dass da jemand mit Herzblut bei der Sache ist. Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal zieht sich die Erzählung an Stellen etwas, weil der Autor viel Wert auf die Hintergründe und Zusammenhänge legt – das fordert Geduld, zahlt sich aber aus.
Wer also Lust auf einen Krimi hat, der weit mehr ist als ein bloßes Katz-und-Maus-Spiel, sondern auch Familiengeheimnisse, Umweltdiskussionen und einen Hauch Schwarzwaldromantik einfängt, sollte bei „Black Forest“ zugreifen. Ein Buch, das einen nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Klare Leseempfehlung mit kleinen Schönheitsfehlern, die den Gesamteindruck aber kaum schmälern. 4 von 5 Sternen.