Die Flussfrau
Kritik
Manchmal ist ein Buch genau wie ein Fluss: Es nimmt dich mit, trägt dich durch Landschaften, die du noch nie gesehen hast, und hinterlässt Spuren, die nicht mehr so schnell verschwinden. So ging es mir mit „Die Flussfrau“ von Tanja Weber. Die Geschichte von Anneliese, die sich als Kapitänin in einer Männerwelt behauptet, ist nicht nur historisch faszinierend, sondern auch richtig berührend erzählt.
Im Kern begleitet man Anneliese auf ihrem Weg vom tragischen Verlust ihres Mannes bis zu ihrem mutigen Schritt, selbst ans Steuer ihres Lastenkahns zu gehen. Der Fluss ist dabei nicht nur Schauplatz, sondern fast ein eigener Charakter – mal rau, mal sanft, immer geheimnisvoll. Besonders gelungen finde ich, wie authentisch die Figuren gezeichnet sind. Annelieses Stärke und Verletzlichkeit machen sie extrem nahbar, und mit Vassili bekommt die Story zudem eine liebevolle, aber nie übertriebene Liebesgeschichte, die den Spannungsbogen wunderbar ergänzt.
Tanja Webers Schreibstil ist dabei angenehm flüssig, mit lebendigen Bildern, die das Wasser und die Nachkriegszeit zum Leben erwecken, ohne zu überladen. Man merkt richtig, dass sie mit viel Herzblut bei der Sache ist. Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Passagen ziehen sich stellenweise etwas in die Länge – hier hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo gewünscht. Aber das fällt nicht wirklich ins Gewicht.
Wer auf emotionale Geschichten mit starken Frauenfiguren und besonderen Schauplätzen steht, ist hier bestens aufgehoben. „Die Flussfrau“ ist ein Buch, das man nicht einfach weglegt, weil es einen auf seine eigene, unaufdringliche Weise packt.
4 von 5 Sternen – eine klare Empfehlung für alle, die das Leben am Wasser und außergewöhnliche Persönlichkeiten lieben.