Wenn dir das hier gefiel …
Morgen ist alles besser
Key Facts
Kritik
Manchmal fühlt sich ein Buch genau wie ein großer, tiefsinniger Seufzer an – „Morgen ist alles besser“ von Jonas T. Bengtsson ist genau so ein Werk. Es nimmt dich mit auf eine Reise zu den Ecken der Gesellschaft, die nicht immer glamourös, aber erschreckend echt und berührend sind. Vier Menschen, vier Lebenswege, die sich durch kleine und große Schicksalsschläge komplett aus dem Lot bringen.
Da ist Margrethe, die als Altenpflegerin für andere da ist, aber privat lieber Mauern hochzieht – bis sie plötzlich mit ihrem siebenjährigen Enkel konfrontiert wird. Oder Luka, ein ambitionierter Typ, der mit der Angst vorm Scheitern rumeiert und fast von der Uni fliegt. Dann Goran, der als Spielhöllenboss ziemlich hart und pragmatisch wirkt, aber innerlich ziemlich zerrissen ist. Und schließlich Erik, ein Witwer, der verzweifelt versucht, die Beziehung zu seiner Tochter zu kitten, obwohl seine Welt gerade auseinanderbricht.
Was mich wirklich gepackt hat: Bengtssons Schreibstil ist angenehm klar und trotzdem nahbar, unaufgeregt, aber voller Emotion. Ohne großes Brimborium schafft er es, dass man diese Figuren sofort in sein Herz schließt – man fühlt ihren Schmerz, ihre Schwächen, ihre Wut und manchmal auch ihre Hoffnung. Die Perspektiven sind fein ineinander verwoben, sodass das Buch trotz der ernsten Themen nicht erdrückend wirkt. Zwischendurch musste ich wirklich schlucken, manchmal habe ich auch den Kopf geschüttelt, weil die Charaktere so menschlich, manchmal unbeholfen oder falsch handeln.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir an einzelnen Stellen noch etwas mehr Tempo gewünscht, vor allem wenn die Geschichten etwas ins Detail gehen, da wirkt es ein bisschen gemächlich. Aber ehrlich gesagt passt das auch zum Thema – Leben ist eben oft kein Speedrennen, sondern ein mühsamer Balanceakt.
Wer also Lust hat auf ein Buch, das ohne Schnickschnack direkt ins Herz trifft, ohne in Kitsch abzurutschen, und sich mit dem echten Leben auseinandersetzt, ist hier goldrichtig. „Morgen ist alles besser“ lässt einen mit einer Mischung aus Melancholie und Hoffnung zurück, die man so schnell nicht vergisst.
4 von 5 Sternen – ein ruhiger, eindringlicher Roman für alle, die echte, ungeschönte Geschichten lieben.
Klappentext
Als Altenpflegerin kümmert sich Margrethe routiniert um andere — privat hält sie Abstand. Enttäuschungen haben sie hart und schlagfertig gemacht. Nun soll ausgerechnet sie ihren siebenjährigen Enkel aufnehmen.
Luka möchte unbedingt etwas aus sich machen. Als er aus Angst zu scheitern schummelt, droht er von der Uni zu fliegen. Doch was will er mit seiner Zukunft anfangen?
Als Spielhöllenboss verdient Goran am Pech anderer. Der Konflikt zwischen Geschäft und Gewissen wächst — und zwingt ihn zu einer Entscheidung, die alles verändert.
Nach dem Tod seiner Frau versucht Erik alles, um die Beziehung zu seiner Tochter zu reparieren. Aber er kann nicht mehr klar denken. Eines Tages verliert er die Kontrolle.
Vier Leben, die aus dem Gleichgewicht geraten sind. Und die Hoffnung auf ein Morgen, das besser ist als das Heute.