Löwengrube. Kein Roman
Kritik
Manchmal trifft ein Buch genau ins Schwarze – und „Löwengrube. Kein Roman“ von Daniel Schmidt gehört definitiv dazu. Schon auf den ersten Seiten spürt man die rohe Authentizität, mit der der Wirt des legendären Elbschlosskellers tief in sein Leben eintaucht. Wer hier eine glattgebügelte Wohlfühlgeschichte erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt – und das im besten Sinne.
Daniel nimmt uns mit auf seine ganz persönliche Spurensuche nach Glück und Lebenssinn. Nicht auf der Sonnenseite des Lebens, sondern an den Orten, die man gemeinhin lieber meidet: dem Kiez, der rauen „Löwengrube“, in die er immer wieder zurückgeworfen wurde. Dabei erzählt er ehrlich und unverblümt, ohne dabei ins Mitleid abzurutschen. Sein Weg zum Glauben und zur Liebe fühlt sich echt an, macht Mut und regt zum Nachdenken an: Was ist eigentlich meine Aufgabe im Leben?
Die Figuren, die hier durch das Buch geistern, sind keine Helden in klassischem Sinne, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, mit großen Schmerzen und kleinen Wundern. Das macht die Geschichten so nahbar und lebendig. Der Schreibstil ist dabei angenehm direkt, schnörkellos und manchmal überraschend einfühlsam – das mag ich besonders, weil es nicht versucht, irgendwen zu beschönigen.
Klar, so viel Offenheit verlangt auch Mut – und gelegentlich wünscht man sich, dass Schmidt an manchen Stellen etwas tiefgründiger oder strukturierter wäre. Manchmal wirken die Sprünge zwischen den Szenen ein bisschen abrupt, was den Lesefluss kurz stocken lässt. Trotzdem: Die ehrliche, unverstellte Perspektive macht das locker wieder wett.
Für alle, die keine Scheu vor einem Buch mit Ecken und Kanten haben und sich gerne auf echte Lebensgeschichten einlassen, ist „Löwengrube. Kein Roman“ eine absolute Empfehlung. Es ist kein Wohlfühlbuch per se, sondern eher ein weiser Anstoß, sich mit den eigenen Fragen auseinanderzusetzen – und das auf eine erfrischend ungeschönte Art.
Vier von fünf Sternen – weil es mutig, ehrlich und berührend erzählt, auch wenn hier und da die Dramaturgie ein bisschen wackelt. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine richtig gute Portion Lebensrealität serviert.