Vorhang
Kritik
Kaum hat man das Hörbuch gestartet, spürt man sofort diese besondere Mischung aus Nostalgie und Spannung – „Vorhang“ fühlt sich an wie ein letztes Rendezvous mit einem altbekannten Freund, an dem man fast nicht glauben mag, dass es wirklich das Ende ist. Agatha Christies letzter Poirot-Fall spielt auf dem Landsitz Styles, wo die beiden alten Gefährten ein letztes Mal gemeinsam Rätsel lösen wollen. Poirot selbst ist nicht mehr der spritzige Meisterdetektiv, der er einst war: Arthritis schränkt ihn ein, und statt selbst auf Mörderjagd zu gehen, macht er seinen Freund Hastings zum Detektiv wider Willen. Der Charme und die Vertrautheit dieser Figuren tragen die Geschichte ganz von allein – man möchte eigentlich gar nicht, dass es vorbei ist.
Die Handlung dreht sich um einen cleveren Serienmörder, dessen Identität Poirot längst kennt, der jedoch das entscheidende Beweisstück fehlt, um den Schuldigen zu überführen. So hält die Geschichte einen fiesen Spannungsbogen, bei dem man ständig rätselt, wie Hastings die Fährte finden wird – und ob er Poirots Erwartungen gerecht wird. Christoph Maria Herbst verleiht der ungekürzten Lesung dabei genau den richtigen Ton: trocken, humorvoll und dennoch ernst genug, um die düstere Atmosphäre einzufangen. Das macht das Hörbuch zum Genuss – ein echter Pluspunkt, der die Geschichte über die klassische Lektüre hinaus aufleben lässt.
Wenn du ein Faible für klassische Krimis hast und Christie-Fans bist, wirst du hier definitiv deinen Spaß haben. „Vorhang“ zeigt wunderbar, wie viel Gefühl, Eleganz und Gehirnschmalz in so einem Schlussakt stecken können. Einzig der etwas langsamere Erzählfluss – vermutlich der Zeit geschuldet – könnte manchen Ungeduldigen stören. Außerdem wirkt das Finale im Vergleich zu früheren Abenteuern ein wenig gedrückt, fast so, als würde es die Bühne etwas zu hastig verlassen. Aber hey, das tut der Stimmung keinen großen Abbruch.
Kurzum: Wer Hercule Poirot liebt und seinen letzten Fall nicht verpassen möchte, ist hier genau richtig. „Vorhang“ ist ein melancholisch-kluger Krimi mit einem Herz, das bis zum Schluss schlägt – und einem Erzähler, der euch charmant durch dunkle Geheimnisse führt. Von mir gibt’s solide 4 von 5 Sternen. Ein würdiger Abschluss, der zum Wiederhören einlädt.
Klappentext
Poirot, inzwischen von Arthritis gezeichnet, bittet seinen alten Freund Captain Hastings, zu ihm auf den Landsitz Styles mit seiner illustren Gesellschaft zu kommen. Einst haben die beiden hier ihren ersten gemeinsamen Fall gelöst. Nun soll Hastings sich an Poirots Stelle an die Fersen eines Serienmörders heften, dessen Identität Poirot zwar längst klar ist, für dessen Überführung ihm jedoch die Beweise fehlen. Und so betitelt er den Täter auch Hastings gegenüber nur als "X". Dass X wieder zuschlägt, ist für Poirot nur eine Frage der Zeit. Aber wird es Hastings gelingen, seinem alten Freund zu helfen und dem Mörder zuvorzukommen?
Ungekürzte Lesung mit Christoph Maria Herbst
7h 21min