Gretchen Larssen und der Ostseezorn
Kritik
Man merkt sofort: Hier wird nicht nur ein Fall erzählt, sondern ein ganzes Stück Ostsee-Feeling serviert – rau, geheimnisvoll und mit ein bisschen Melancholie. „Gretchen Larssen und der Ostseezorn“ nimmt dich mit an die windgepeitschten Küsten Rügens, wo die junge Lehrerin Lena Engelmann spurlos verschwindet. Die Kommissarin Gretchen Larssen und ihr Kollege Henry Bülow stehen vor einem Rätsel, das nicht nur fachliche Kompetenz verlangt, sondern auch ganz viel Fingerspitzengefühl, vor allem, weil Gretchen selbst mit persönlichen Dämonen kämpft.
Was mir hier besonders gut gefallen hat: Die Figuren, allen voran Gretchen, sind keine Schablonen, sondern lebendig und mit Ecken und Kanten. Ihre Zweifel, Ängste und Hoffnungen werden feinfühlig eingeflochten, ohne dass es kitschig wird. B.C. Schiller schreibt angenehm flüssig und schafft es, Tempo und Atmosphäre wunderbar auszubalancieren. Die Mischung aus spannender Suchaktion, überraschenden Wendungen und einem Blick hinter die Fassaden der Figuren macht den Krimi zu einem echten Pageturner.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manche Nebenstränge, vor allem um Gretchens Privatleben, wirken etwas angedeutet und hätten gerne noch etwas mehr Tiefe vertragen können. Aber das ist kein Dealbreaker, sondern eher ein Hinweis darauf, dass eine Fortsetzung der Reihe bestimmt spannend wird.
Wer Lust hat auf einen stimmungsvollen Ostseekrimi mit sympathischen Ermittlern und einem Plot, der mehr ist als nur ein klassischer Kriminalfall, der ist bei „Gretchen Larssen und der Ostseezorn“ genau richtig. Perfekt für alle, die Spannung mit Herzblut mögen, und für alle, die eine Prise norddeutsche Meeresluft zum Mitlesen schätzen.
4 von 5 Sternen – weil es beim Lesen einfach Spaß macht, mit Gretchen auf Spurensuche zu gehen und das Meer quasi mit der Nase zu riechen.