Die Bestie von Dresden: Kriminalrat Gustav Heller, Band 3
Kritik
Manchmal reicht ein einziger Satz, um dich mitten in eine brodelnde Stadt und eine packende Geschichte zu ziehen – und genau so ist es hier. Dresden im Mai 1883, die Sonne scheint, die Menschen genießen den Frühling, bis ein entflohener Tiger aus dem Zoo für Angst und Chaos sorgt. Klingt spannend? Oh ja, aber das ist erst der Anfang.
Im Zentrum der Story steht Kriminalrat Gustav Heller, der nicht nur für Ruhe sorgen muss, sondern auch einem grausamen Serienmörder auf der Spur ist. Die Morde sind mehr als nur brutal, sie treffen mitten ins Herz der Dresdner Oberschicht. Dabei wird Heller nicht als unfehlbarer Held präsentiert, sondern als facettenreicher Charakter mit Ecken und Kanten – jemand, mit dem man mitfiebert und sich gleichzeitig fragt, wie er all das auf Dauer aushält.
Frank Goldammer versteht es, eine Atmosphäre aufzubauen, die dich sofort in den Bann zieht. Sein Schreibstil ist angenehm flüssig, ohne dabei billig zu wirken, und schafft es mühelos, die raue Stimmung des späten 19. Jahrhunderts zu vermitteln. Die Details sind liebevoll gesetzt, ohne die Handlung auszubremsen. Besonders beeindruckt hat mich, wie glaubwürdig die Figuren agieren und wie geschickt Spannung und Emotionen kombiniert werden.
Klar, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht – stellenweise zieht sich die Handlung ein wenig, und manche Nebenfiguren bleiben für meinen Geschmack zu blass. Dennoch stört das den Lesefluss kaum und macht den Charme dieser düsteren Kriminalgeschichte kaum kaputt.
Wer also Lust auf einen atmosphärischen Krimi mit historischem Flair hat, bei dem Nervenkitzel und Gesellschaftsporträt Hand in Hand gehen, sollte hier unbedingt zugreifen. „Die Bestie von Dresden“ ist nichts für schwache Nerven, aber genau das macht den Reiz aus.
Knapp 4 von 5 Sternen und definitiv eine Empfehlung für Fans düsterer, gut erzählter Krimis mit Tiefgang.