American Psycho
Kritik
Schon beim ersten Eintauchen in „American Psycho“ spürt man förmlich die beklemmende Atmosphäre, die Bret Easton Ellis hier erschafft – ein brodelnder Sumpf aus Glamour, Kälte und unterschwelliger Gewalt, der einen einfach nicht mehr loslässt. Die Handlung folgt Patrick Bateman, einem Investmentbanker in den 80ern, dessen Fassade aus teurem Anzug, teurem Essen und teuren, aber leeren Gesprächen langsam aufbricht und Einblicke in Abgründe bietet, die man so schnell nicht vergisst.
Ellis schafft es, mit seinem kühlen, fast schon klinischen Schreibstil eine erschreckend realistische Welt zu zeichnen, in der Oberflächlichkeit und Nihilismus regieren. Bateman als Hauptfigur ist gleichzeitig abstoßend und irgendwie faszinierend – ein Charakter, der tief in den amerikanischen Albtraum eintaucht und uns gnadenlos vor Augen führt, wie gefährlich das Vergessen von Menschlichkeit sein kann. Besonders beeindruckend sind die Details, die die Alltagsbanalität brutal mit dem Grauen verweben; hier wird nichts beschönigt, und genau das macht das Buch so verstörend spannend.
Klar, „American Psycho“ ist nichts für Zartbesaitete. Das schwere Thema wird durch die expliziten Beschreibungen immer wieder auf die Spitze getrieben, und das kann einige Leser:innen abschrecken. An manchen Stellen wirkte das Ganze auf mich fast ein bisschen zu extrem, fast so, als wollte Ellis provozieren um der Provokation willen. Wer mit düsteren, brutalen Geschichten und einem Blick hinter die perfekte Fassade der 80er klar kommt, hat hier aber ein intensives Leseerlebnis, das einen noch lange nachgeht.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist kein Wohlfühlstoff, sondern ein literarischer Schlag in die Magengrube – spannend, verstörend und absolut prägnant. Für alle, die auf ungewöhnliche, herausfordernde Literatur stehen und sich nicht scheuen, auch mal hinter die glänzende Oberfläche zu blicken, ist „American Psycho“ auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
4 von 5 Sternen.