Der Gott des Waldes
Kritik
Kaum hat man „Der Gott des Waldes“ aufgeschlagen, ist man mitten drin in diesem dichten, geheimnisvollen Wald voller Konflikte und ungelöster Familiengeheimnisse. Die Geschichte setzt im August 1975 ein, als Barbara, ein Mädchen aus der wohlhabenden Familie van Laar, spurlos aus einem abgelegenen Sommercamp verschwindet. Was hier wie ein klassischer Vermisstenfall beginnt, zieht schnell allerlei dunkle Fäden nach sich – denn Barbara ist nicht irgendeine Camperin, sie ist eng verwoben mit einem komplizierten Netz aus Macht, Privilegien und alten Verletzungen.
Die Figuren sind so vielschichtig wie die Wälder, in denen sie sich bewegen. Barbara und ihr Bruder Bear – der seit Jahren vermisst wird – stehen im Zentrum, und um sie herum tummeln sich Kinder und Erwachsene, deren Motive und Geheimnisse sich langsam aber sicher offenbaren. Liz Moore schafft es, ihre Charaktere so nahbar und realistisch zu zeichnen, dass man mit ihnen fühlt, aber auch misstrauisch wird. Besonders stark fand ich, wie sie den Ton zwischen Spannung und Gesellschaftskritik trifft, ohne je zu belehrend zu wirken. Die sozialen Abgründe und die Verstrickungen in Machtspiele sind subtil, aber dennoch präsent.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und trotzdem eindringlich, was das Lesen zu einem echten Pageturner macht. Man will unbedingt wissen, was hinter all dem steckt, und wird tatsächlich bis zum Schluss nicht enttäuscht. Ein bisschen mehr Tempo an einigen Stellen hätte dem Thriller noch gutgetan, denn manchmal zieht sich die Handlung etwas, was vor allem bei einem Krimi mit so viel Potenzial schade ist.
Wer Lust auf einen Thriller hat, der nicht nur fesselt, sondern auch kluge Fragen zu Familie, Reichtum und moralischen Grenzen stellt, sollte hier definitiv zugreifen. „Der Gott des Waldes“ bietet genügend Spannung und Tiefgang, um lange im Gedächtnis zu bleiben.
Unterm Strich gibt’s von mir starke 4 von 5 Sternen – ein Buch für alle, die gerne mit einem guten Mix aus Nervenkitzel und Substanz lesen.