Das letzte Opfer
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Das letzte Opfer“ aufgeschlagen, zieht einen die Spannung gnadenlos in ihren Bann. Dieses Buch ist nichts für nebenbei – hier will man sofort wissen, wie es weitergeht, denn die Geschichte hat eine ganz eigene, fast beklemmende Intensität.
Im Zentrum steht Karen, die 1990 als 18-Jährige in einen mysteriösen Unfall verwickelt ist, an dessen Umständen sie sich selbst kaum erinnert. Parallel verfolgt Thomas Scheib, ein versierter Fallanalytiker vom BKA, die grausame Spur eines Serienkillers, der alle zwei Jahre junge Frauen entführt und tötet. Die Handlung spielt geschickt mit Zeitverschiebungen und Erinnerungen, was die Geschichte nicht nur spannend, sondern auch sehr emotional macht. Kein klassischer Krimi, bei dem man alle Karten auf dem Tisch hat – hier muss man genau hinsehen und miträtseln.
Die Figuren sind dabei keine überzeichneten Helden oder schwarzen Bösewichte, sondern Menschen mit Ecken und Kanten. Besonders Thomas Scheib hat mich als nüchterner Ermittler beeindruckt, der dennoch empathisch bleibt. Karen wiederum wirkt zerbrechlich, aber auch entschlossen – eine gute Mischung, die mich wirklich berührt hat. Der Schreibstil ist flüssig und genau richtig dosiert: nicht zu schwerfällig, aber auch kein oberflächliches Thriller-Gedresche. Die Spannung wird über das gesamte Buch hinweg gehalten, ohne sich in endlosen Details zu verlieren.
Was mir besonders gefallen hat? Die psychologische Tiefe, die den Charakteren verliehen wird, und die Atmosphäre, die immer wieder diesen leisen Schrecken einfängt, der so viel furchterregender ist als pure Gewalt. Allerdings hätte ich mir manchmal ein paar mehr überraschende Wendungen gewünscht – ein bisschen mehr „Wow“ hier und da hätte dem Lesefluss gutgetan. Auch das Tempo schwankt manchmal leicht, was manchen Leserinnen und Lesern vielleicht auf die Nerven gehen könnte.
Unterm Strich ist „Das letzte Opfer“ ein lebendig erzählter Psychothriller, der mit Spannung und Gefühl punktet und sich von typischen Krimimassenware angenehm abhebt. Wenn du Lust auf eine Geschichte hast, die tief unter die Haut geht, ohne sich zu verheddern, bist du hier goldrichtig.
Vier von fünf Sternen – spannend, packend, mit kleinen Schwächen, aber definitiv lesenswert!