Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord: Adamsberg 1
Kritik
Manchmal braucht es einfach einen besonderen Ermittler, um einem Krimi das gewisse Etwas zu verleihen – Fred Vargas hat mit Jean-Baptiste Adamsberg genau diesen Protagonisten geschaffen. „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ nimmt dich mit auf eine Reise in das Herz von Paris, wo plötzlich mysteriöse blaue Kreidekreise auftauchen. Was auf den ersten Blick wie ein harmloser Streich wirkt, entpuppt sich bald als Ausgangspunkt für ein düsteres Rätsel, das Adamsberg auf seine unkonventionelle Weise lösen muss.
Adamsberg ist keine typische Polizeifigur: sein zurückhaltendes Auftreten, seine fast verträumte Art und sein Talent, Dinge anders zu sehen als die anderen, machen ihn charmant und interessant. Man merkt sofort, dass Vargas hier keinen blassen Bürohengst schreibt, sondern einen Charakter, der durch seine Andersartigkeit besticht – was in Kombination mit dem lebendig beschriebenen Pariser Umfeld eine perfekte Mischung ergibt. Der Schreibstil ist dabei flüssig, leichtfüßig und doch nie oberflächlich; es macht Spaß, dem Gedankengang des Kommissars zu folgen, auch wenn man selbst manchmal ratlos zurückbleibt.
Einziger kleiner Haken: Manche Wendungen wirken ein bisschen zu verspielt oder zu an der Grenze zum Abwegigen, was nicht alle Lesefreunde glücklich machen wird. Wer aber offen für eigenwillige Figuren und eine Mischung aus Leichtigkeit und Dunkelheit ist, wird hier bestens unterhalten.
Kurzum: Wenn du Lust auf einen Krimi hast, der mehr mit Köpfchen und Gefühl als mit hastigen Action-Szenen überzeugt, und gerne in die charmant verschrobenen Gedankenwelten eines besonderen Ermittlers eintauchst, dann ist dieses Buch genau dein Ding. Klare Empfehlung für alle, die es etwas anders mögen – ich vergebe 4 von 5 Sternen.