Bist du sauer auf mich?
Kritik
Manchmal fühlt es sich an, als würde man selbst in einer unendlichen Schleife festhängen: Man möchte allen gefallen, ja niemanden enttäuschen, und am Ende ist man es selbst, der dabei auf der Strecke bleibt. Meg Josephson trifft mit „Bist du sauer auf mich?“ genau diesen nervigen, kaum greifbaren Spagat, der so viele von uns kennen – das ständige Manövrieren zwischen den Bedürfnissen anderer und dem eigenen Ich.
In ihrem Buch entlarvt Josephson das People Pleasing nicht als bloßes „Charakterproblem“, sondern als tief verwurzelte, traumatische Reaktion aus der Kindheit. Und das macht plötzlich alles viel verständlicher und gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein mit diesem inneren Kampf. Die Autorin öffnet dabei nicht nur ihr eigenes Herz, sondern nimmt uns mit auf eine Reise durch ihre Erfahrungen und die zahlreicher Klient*innen, wodurch das Ganze so nahbar und glaubwürdig wird, dass man fast neben ihr sitzt und mit ihr spricht.
Die Hauptfigur, ja eigentlich sind es mehrere Stimmen, spiegeln das weit verbreitete Muster auf eine berührende Weise wider, ohne dabei in endlose Selbstmitleidsgeschichten abzurutschen. Meg Josephsons Schreibstil ist locker, ehrlich und direkt – kein Fachchinesisch, sondern eine Erzählung, die man verstehen und vor allem fühlen kann. Dieses Buch erdet, macht Mut und gibt praktische Impulse, wie man die eigene innere Stimme wiederfindet und Vertrauen in sich selbst aufbaut.
Klar, wer auf schnelle Lösungen oder oberflächliche Ratgeber setzt, könnte hier etwas mehr Tiefgang vermissen oder sich an manchen Stellen wünschen, dass es noch mehr konkrete Übungen gäbe. Doch gerade diese Offenheit und die ehrliche Mischung aus persönlicher Geschichte und professionellem Wissen machen den Charme aus.
Wenn du also schon öfter mit dem Gedanken gespielt hast, warum es so schwer fällt, Nein zu sagen, und wie man diesen ewigen Angstkreislauf endlich durchbricht – dieses Buch ist eine wertvolle Begleitung, die Mut macht, die eigenen Schutzmechanismen zu verstehen und loszulassen.
4 von 5 Sternen – ein kraftvolles Buch, das ehrlich und einfühlsam zeigt, dass wahre Freiheit mit Selbstachtung beginnt.