Forsberg und das verschwundene Mädchen
Kritik
Man taucht sofort ein in die neblig-düstere Welt Göteborgs – „Forsberg und das verschwundene Mädchen“ zieht einen mit seiner ganz eigenen Atmosphäre sofort in den Bann. Vom ersten Moment an spürt man die nervöse Spannung zwischen den Zeilen, wenn der Sexualstraftäter aus dem Gefängnis verschwindet und zeitgleich die kleine Lisbet von der idyllischen Schäreninsel Kalvsund vermisst wird.
Im Zentrum stehen Kommissar Frederik Forsberg und seine Kollegin Anna Jordt – zwei Ermittler, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Anna klar und pragmatisch auf der Jagd nach der Wahrheit ist, setzt Forsberg auf sein feines Gespür für die Zwischentöne im komplizierten Geflecht aus Familienkonflikten und alteingesessenen Dorfgeheimnissen. Für mich macht gerade dieses Duo die Geschichte lebendig und authentisch. Forsbergs persönliche Zweifel und seine menschliche Art schaffen eine Nähe, die im Krimigenre nicht selbstverständlich ist.
Der Schreibstil ist dabei angenehm klar und schnörkellos, ohne an Spannung zu sparen. Die Beschreibungen der Schärenlandschaft Göteborgs sind so lebendig, dass man den kühlen Wind fast auf der Haut spürt – das gibt dem Krimi eine wunderbare, fast filmische Note. Was mich besonders begeistert hat: Wie geschickt die Autoren die dunklen Familiengeheimnisse und den kriminalistischen Plot verzahnen, ohne sich in komplizierten Verstrickungen zu verlieren.
Kleine Kritik: Manchmal hätte das Tempo für meinen Geschmack etwas zügiger sein können, gerade an Stellen, wo der innere Konflikt von Forsberg etwas zu lange ausgeleuchtet wird. Hier hätten ruhig ein paar Seiten mehr Dynamik gutgetan, um nicht allzu sehr ins Trödeln zu geraten.
Für alle, die Lust auf tiefgründige Charaktere, eine atmosphärische Kulisse und eine fein gesponnene Geschichte haben, ist „Forsberg und das verschwundene Mädchen“ genau der richtige Lesestoff. Wer skandinavische Krimis mit viel Atmosphäre und einer Prise Psychologie mag, wird hier nicht enttäuscht.
Eine solide 4 von 5 Sternen – spannend, einfühlsam und mit einem Ermittler, den man gern begleitet.