Nicht so Nah (Ein Rachel Blackwood Thriller – Band 3): Erzählerstimme digital synthetisiert
Kritik
Manchmal ist es genau diese Mischung aus rauer Landschaft, dunklen Geheimnissen und einer Hauptfigur mit Ecken und Kanten, die mich von Anfang an in einen Thriller zieht – und Blake Pierce liefert das in „Nicht so Nah“ auf jeden Fall. Die texanische Prärie wird hier nicht nur Kulisse, sondern fast zu einem eigenen Charakter, der ebenso unberechenbar und unbequem ist wie die Fälle, die Rachel Blackwood jagt.
Rachel, die Texas Rangerin mit indianischen Wurzeln, hat nicht nur mit einem brutalen Serienmörder zu tun, sondern auch mit der eigenen Vergangenheit, die ihr ständig im Nacken sitzt. Ihr innerer Konflikt macht sie vielschichtig und greifbar, weit weg von der Standard-Ermittlerin, und das hat mir richtig gut gefallen. Sie sieht die Welt mit einem scharfen Blick, lässt sich von Rückschlägen nicht unterkriegen und bringt dabei eine Portion Bodenständigkeit mit, die den Thriller sehr menschlich macht.
Blake Pierces Erzählstil ist knackig, spannend und hält das Tempo ordentlich hoch – perfekt, wenn man sich auf eine lange Zugfahrt oder eine kurze, intensive Lesesession einlassen will. Klar, die Geschichte bietet einige überraschende Wendungen, die einen immer wieder kurz schlucken lassen. Allerdings wirkt das manchmal ein bisschen zu konstruiert, als wollte der Autor unbedingt um jeden Preis für Überraschungen sorgen. Und die synthetisierte Erzählerstimme, die in der Audiofassung verwendet wird, ist zwar technisch interessant, kann aber stellenweise etwas distanziert wirken, was ein wenig die emotionale Nähe zur Geschichte bremst.
Für alle, die gerne tief eintauchen in komplexe Charaktere und Hitze, Staub und Gefahr förmlich spüren wollen, ist dieser dritte Band der Rachel Blackwood Reihe ein Volltreffer – auch wenn man manchmal wünscht, die Schockmomente hätten sich etwas organischer entfalten dürfen. Wer eine ruhige Erzählung sucht, ist hier natürlich falsch, denn das Buch nimmt dich mit auf eine ganz schön wilde Achterbahnfahrt.
Fazit: „Nicht so Nah“ ist genau der richtige Thriller, wenn du Lust auf einen fesselnden Krimi mit einer starken, facettenreichen Ermittlerin hast und dabei auf ein hohes Erzähltempo stehst mit ein paar Ecken und Kanten. 4 von 5 Sternen – spannend, packend und definitiv einen Blick wert!