Ich dachte, sowas fühl nur ich
Kritik
Manchmal stolpert man über ein Buch, das sich anfühlt wie ein ehrliches Gespräch unter Freund:innen – genau so ist „Ich dachte, sowas fühl nur ich“ von Clara Lösel. Wer sich schon einmal gefragt hat, ob man mit seinen Gefühlen allein dasteht, findet hier eine klare Antwort: Nope, du bist nicht allein.
Clara Lösel versammelt in diesem Werk 101 Texte, die nicht nur tief berühren, sondern auch zum Nachdenken und Mitfühlen einladen. Es geht um das Leben in all seinen Facetten – Liebe, Trauer, mentale Gesundheit, Schönheitsideale und vor allem um das mutige Zeigen der eigenen Verletzlichkeit. Die Worte sind dabei so ehrlich und direkt, dass sie einen manchmal schier umhauen. Klar, das ist kein Roman mit Plot und Charakterentwicklung, sondern eher ein Herzensprojekt, eine Sammlung von Momentaufnahmen und Gefühlslandschaften, die man gern immer wieder zur Hand nimmt.
Die Texte wirken wie kleine Impulse, die einem den Spiegel vorhalten, aber nie abwertend, sondern immer tröstend und bestärkend. Lösel schreibt dabei mit einer Leichtigkeit und Sprachkraft, die gleichzeitig zum Lachen und Weinen bringt – genau wie das Leben selbst. Ein echtes Talent, das hier spürbar wird.
Einzig wer längere, zusammenhängende Geschichten sucht, könnte sich hier ein bisschen mehr Struktur wünschen. Manchmal hätte ich mir auch etwas mehr Variation in der Thematik gewünscht, weil sich einige Gefühle und Gedanken stellenweise wiederholen. Aber gerade das Wiedererkennbare ist ja auch ein großer Teil des Charmes dieses Buches.
Alles in allem eine mutige, berührende Sammlung, die ich jedem empfehlen würde, der auf der Suche nach ehrlicher Selbstreflexion ist oder einfach mal wissen will: Andere fühlen das genauso. Ein Buch, das stärkt und verbindet – und das in kurzer, knackiger Form.
4 von 5 Sternen. Wer bereit ist, sich auf eine emotionale Reise zu begeben, ist hier genau richtig.