Milchgeld (Ein Kluftinger-Krimi 1)
Kritik
Schon beim ersten Satz zieht einen „Milchgeld“ direkt in die raue, aber charmante Welt des Allgäus – hier geht es nicht nur um Käse und grüne Wiesen, sondern um einen Mord, der ordentlich Staub aufwirbelt. Kommissar Kluftinger, der grantige, stets leicht verschrobene Ermittler mit Herz, stolpert mit seinen eigenen, manchmal etwas unbeholfenen Methoden durch den Fall: Der Lebensmittelchemiker des Milchwerks wurde stranguliert, und hinter der friedlichen Kulisse lauert mehr als nur das übliche Dorfgetratsche.
Die Geschichte punktet vor allem mit ihrem starken Lokalkolorit – das Allgäu wird so lebendig und glaubwürdig eingefangen, dass man sich fast selbst mit auf die Ermittlungsreise nimmt. Kluftinger ist keine makellose Heldengestalt, sondern ein echter Typ, der mit seinen Ecken und Kanten überzeugt und sympathisch menschlich bleibt. Der Schreibstil von Klüpfel und Kobr ist ebenso locker wie präzise, gewürzt mit trockenem Humor und einem feinen Gespür für Details, die den Krimi angenehm bodenständig und unterhaltsam machen. Man merkt, dass die Autoren nicht nur Experten im Krimigenre sind, sondern auch den Dialekt und die Mentalität der Region perfekt treffen.
Ein kleiner Kritikpunkt: Die Handlung kommt manchmal etwas gemächlich voran und einige Nebenschauplätze sind zwar amüsant, aber man hätte hier und da den Fokus auf das Wesentliche etwas schärfer setzen können. Doch das schmälert nicht das Gesamtpaket, denn gerade Kluftingers Eigenarten sorgen für viel Freude beim Lesen.
Wer Lust auf einen Krimi hat, der ganz ohne Hochglanz und Großstadtgetöse auskommt, dafür aber mit Herz, Humor und einer Prise Lokalkolorit punktet, ist mit „Milchgeld“ bestens bedient. Ein sympathisch-kantiger Einstieg in die Kluftinger-Reihe, der Appetit macht auf mehr – ich gebe hier solide 4 von 5 Sternen. Wer sich auf eine Mischung aus Krimi, Heimatgeschichte und Charakterstudie einlässt, wird diesen Schatz nicht so schnell aus der Hand legen wollen.