Winterkartoffelknödel: Franz Eberhofer 1
Kritik
Kaum habe ich „Winterkartoffelknödel“ aufgeschlagen, fühlte ich mich sofort wie in einem richtig guten Heimatfilm – nur eben mit einem Mordfall und einer ordentlichen Portion bayerischem Charme. Die Geschichte um Franz Eberhofer, den frisch strafversetzten Kommissar zurück ins niederbayerische Dorf, bietet genau die richtige Mischung aus gemütlicher Dörflichkeit und durchaus spannenden Ermittlungen, die einfach Spaß machen.
Franz ist ein Typ, den man sofort ins Herz schließt – mit seinem dreckigen Humor, dem genervten Umgang mit seiner stocktauben Großmutter und dem Beatles-verrückten Vater, fühlt man sich wie bei einem Abend mit guten Freunden, die nebenbei einem interessanten Fall auf die Spur kommen. Die Handlung ist leicht zugänglich, ohne dabei zu simpel zu wirken, und es macht Spaß, mit dem sympathischen Kommissar die trügerische Ruhe im Dorf zu durchleuchten. Rita Falk schreibt locker und bildhaft, ihre Sprache ist so erfrischend, dass man schon nach den ersten Seiten fast das Gefühl hat, selbst in Niederbayern zu sitzen und eine Semmel mit Obazda zu genießen.
Was für mich besonders heraussticht: Die Charaktere sind lebendig, nie überzeichnet, und die kleinen Alltagsanekdoten bringen reichlich Witz und Wärme ins Spiel. Man nimmt fast den Geruch von frischer Winterluft und Kartoffelknödeln wahr – ein echtes Wohlfühlpaket, das mal ganz nebenbei zeigt, dass ein Krimi nicht immer düster und blutig sein muss, um zu fesseln.
Klar, der Fall ist nicht gerade ein knallharter Thriller, und wer knifflige Puzzle liebt, könnte vielleicht ein bisschen mehr Spannung vermissen. Aber genau darin liegt für mich der Reiz: Das Buch punktet mit seinem entspannten Erzählstil und der überwiegend humorvollen Atmosphäre, die in aller Ruhe eine kleine Welt voller skurriler Typen und sympathischer Schrullen vor einem ausbreitet.
Wer Lust auf einen unaufgeregten Regionalkrimi hat, der mit viel Herz und einer Portion bayerischem Schmäh aufwartet, der liegt hier goldrichtig. „Winterkartoffelknödel“ ist wie ein entschleunigter Sonntagnachmittag – gemütlich, unterhaltsam und genau das Richtige, wenn man dem hektischen Alltag ein bisschen entfliehen möchte.
Deshalb gibt’s von mir: 4 von 5 Sternen. Ein grundsympathischer Krimi, der neugierig macht auf mehr von Franz Eberhofer und seiner bayerischen Welt.
Klappentext
Der erste Teil der Regionalkrimi-Reihe um Franz Eberhofer, launig und facettenreich gelesen von Christian Tramitz.