Wenn dir das hier gefiel …
Pony Show
Key Facts
Kritik
Manchmal kommt ein Buch daher, das einen einfach nicht mehr loslässt – „Pony Show“ von Juli Zeh gehört definitiv dazu. Schon nach den ersten Seiten fühlt man sich mitten in einem Krimi, der mehr ist als nur ein Gerichtsdrama: Es geht um Wahrheit, Manipulation und wie wir versuchen, die Wirklichkeit zu begreifen – oder sie uns schönzureden.
Im Fokus steht Betty, eine erfolgreiche Verlegerin über fünfzig, die plötzlich im Zentrum eines Mordprozesses steht. Ihr vermeintliches Opfer? Fero, ein junger Autor und zugleich ihr Geschäftspartner. Als Fero spurlos verschwindet und Betty mit einer Pistole und Falschgeld gefasst wird, eskaliert die Geschichte vor einem Hamburger Schwurgericht. Was ist passiert? Und was davon ist Wahrheit, was Inszenierung? Juli Zeh spielt hier gekonnt mit unseren Vorurteilen und Erwartungen, lässt ihre Figuren zwischen Opfer- und Täterrollen hin- und herwechseln und zeigt, wie komplex und undurchschaubar Menschen sein können.
Betty und Fero sind keine Klischees, sondern lebendige, widersprüchliche Charaktere, die man gern mal kritisieren würde und gleichzeitig mitleidet. Besonders spannend ist Mark, Bettys Verteidiger: Er steht ständig im Zwiespalt, hinterfragt alles und jeden, und seine Unsicherheit zieht einen als Leser*in fast magnetisch hinein in das Dickicht aus Lügen und Halbwahrheiten.
Der Schreibstil? Klar, präzise und schnörkellos – genau das, was man von Juli Zeh erwartet. Ihr gelingt es, Tempo und Spannung hochzuhalten, ohne in übertriebene Drama-Eskapaden abzudriften. Man fühlt sich wie in einem packenden Film, kann aber die inneren Monologe und feinen psychologischen Details regelrecht spüren. Das macht „Pony Show“ zu einem echten Pageturner, der zugleich nachdenklich macht.
Einzig an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, dass ein paar Handlungsstränge etwas konsequenter ausgearbeitet würden. Manche Figuren verschwinden fast zu schnell wieder, als wären sie nur Kurzauftritte in einem vielschichtigen Bühnenstück. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau.
Wenn du Lust auf einen Thriller hast, der nicht nur durch Spannung punktet, sondern dich auch klug über Gesellschaft, Macht und Geschlechterrollen nachdenken lässt, dann nimm „Pony Show“ auf jeden Fall mit. Es ist gleichermaßen unterhaltsam wie herausfordernd – und nach dem letzten Satz denkt man noch lange über die größten Fragen der Wahrheit nach.
4 von 5 Sternen – spannend, vielschichtig und perfekt für alle, die Krimis mit Tiefgang und einem Hauch Gesellschaftskritik mögen.
Klappentext
Sie ist über fünfzig, verheiratet und Chefin eines großen Literaturverlags. Er ist Ende zwanzig und ein aufstrebendes Talent in ihrem Unternehmen. Betty und Fero sind ein perfektes Team – und eine brisante Verbindung auf sehr dünnem Eis.
Als Fero eines Tages verschwindet und Betty mit einer Pistole und Falschgeld an der ungarischen Grenze aufgegriffen wird, scheint die Sache klar: Betty ist Feros Mörderin.
Der „Loverboy-Fall“ landet vor dem Hamburger Schwurgericht, spaltet die Öffentlichkeit und elektrisiert die Medien. Beweist Bettys Fall, dass Frauen genauso toxisch sein können wie Männer? Oder ist sie das prominente Opfer einer Gesellschaft, die noch immer Prozesse gegen freiheitsliebende Frauen führt?
Für Bettys Verteidiger Mark ist es der wichtigste Auftrag seiner Karriere. Doch schnell merkt er, dass er sich auf nichts verlassen kann – nicht einmal auf sich selbst. Wer verfolgt hier welche Agenda? Wer manipuliert wen? Was glauben wir nur deshalb, weil wir es glauben wollen? Und vor allem: Was hat Betty wirklich getan?