11. September. Geschichte eines Terrorangriffs
Kritik
Was für ein Buch – ich bin noch immer tief beeindruckt von „11. September. Geschichte eines Terrorangriffs“ von Stefan Aust und Cordt Schnibben. Schon beim ersten Umblättern spürt man die intensive Nähe zum Geschehen, obwohl die Schriftsteller:innen einen klaren Blick bewahren und nicht in Spekulationen versinken. Das hier ist keine trockene Chronik, sondern eine lebendige Rekonstruktion eines der einschneidendsten Tage der Moderne.
Die Autoren nehmen uns mit ganz dicht an diesen schrecklichen Tag: vom ersten Moment des Schocks, über die minutiösen Vorbereitungen der Terroristen, bis hin zu den persönlichen Geschichten der Opfer und Überlebenden. Man begegnet hier nicht nur Zahlen oder Daten, sondern Menschen – mit all ihrer Tragik, ihren Hoffnungen und der Wucht des Geschehens. Das macht das Buch unglaublich greifbar. Besonders beeindruckt hat mich, wie tief die Recherche geht, ohne dass man sich durch einen Berg von Fakten wühlen muss. Man fühlt sich von einem der besten europäischen Journalist:innen-Teams begleitet, die es schaffen, auch komplexe Zusammenhänge klar und nachvollziehbar zu erklären.
Der Stil ist überraschend locker und doch ausgewogen, was mir sehr gefallen hat. Keine langatmigen Absätze, die die Luft rausnehmen, sondern eine Mischung aus spannender Reportage und Berichterstattung, die einen wirklich fesselt. Positiv überraschte mich, wie der Fokus auf die menschlichen Geschichten gesetzt wird – da fühlt man wirklich mit. Ein kleiner Kritikpunkt: Manche Passagen sind mit Details so extrem durchleuchtet, dass es stellenweise fast ein bisschen zu viel wird – hier hätte ich mir ein paar gezieltere Kürzungen gewünscht, um den Lesefluss nicht ganz so zu bremsen.
Alles in allem ist dieses Buch ein Muss für alle, die sich für Zeitgeschichte interessieren, aber auch für Menschen, die hinter die Headlines blicken und verstehen wollen, was damals wirklich passiert ist. Keine leichte Lektüre, aber eine, die lange nachhallen wird.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen – weil mich die Mischung aus gründlicher Recherche und emotionaler Tiefe wirklich überzeugt hat, selbst wenn der manchmal etwas detailverliebte Stil nicht jedermanns Sache sein dürfte. Wer also bereit ist, sich auf diese intensive Reise einzulassen, bekommt hier ganz besonderen Stoff, der weit über einen Faktenüberblick hinausgeht.
Klappentext
Wenige Ereignisse haben die Welt so sehr erschüttert wie die Anschläge auf die USA am 11. September 2001, als islamistische Attentäter zwei entführte vollbesetzte Flugzeuge in die Türme des World Trade Center in New York steuerten und das Gebäude wenige Stunden später einstürzte. Eine dritte Maschine flog ins Pentagon, eine vierte stürzte ab. Die Anschläge kosteten etwa 3000 Menschen das Leben – und haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Die besten Reporterinnen und Reporter des SPIEGEL, viele von ihnen preisgekrönte Buchautoren, haben die Ereignisse dieses Tages, die Vorgeschichte, die persönlichen Schicksale der Täter und der Opfer recherchiert und minutiös rekonstruiert. Ihre Reportage hat auch 25 Jahre nach dem Vorfall nichts von ihrer Wucht verloren.