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Kommissar Jörgensen und das Geheimprojekt Lethe: Hamburg Krimi
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Kapitel zog mich die kalte, nasse Luft Hamburgs direkt ins Gesicht — und ich war sofort mitten in einem Spiel, das größer, gefährlicher und moralisch komplizierter ist, als es auf den ersten Blick aussieht.
Ein Jahr nach der Chronos-Krise scheint Ruhe eingekehrt, doch eine Reihe unmöglicher, spurloser Tode bringt die Weltordnung erneut ins Wanken. Die Opfer sind Überbleibsel eines alten Netzwerks, und gegen seinen Willen wird der pensionierte Kommissar Uwe Jörgensen zurück ins Geschehen gezogen. Zusammen mit Roy, dem genialen Hacker auf einer schottischen Insel, und Tobias, dem in Paris versuchenden Schatten, jagt er einem unsichtbaren Gegner nach — einem Gegner, der technologisch und strategisch weit überlegen ist und vor einer apokalyptischen Wahl die Welt stellt. Mehr will ich nicht verraten; die Spannung lebt vom Entdecken.
Jörgensen ist erneut der trockene, moralische Pol, den man in diesem Detektivtypus so mag: abgekämpft, clever, mit einer feinen Spur Melancholie. Roy liefert die Tech-Brillianz und damit die coolen Hacker-Szenen, Tobias die dunkle, verletzliche Seite des Teams. Die Figuren funktionieren als Einheit: die Chemie stimmt, die alten Verletzungen, die persönlichen Opfer — das macht das Trio glaubwürdig und emotional verankert. Aris Thorne als übermächtiger Strippenzieher bleibt bedrohlich und fast schon mythisch, ohne in Klischees zu verfallen.
Alfred Bekker schreibt klar, schnörkellos und bildstark. Die Kapitel sind kurz genug, um die Sogwirkung aufrechtzuerhalten, und die Schauplätze — von Hamburg über Paris bis zu entlegenen Inseln — sind filmisch beschrieben. Besonders gelungen finde ich, wie Bekker Technik-Thriller-Elemente mit zwischenmenschlichen Dilemmata verknüpft: Es geht nicht nur um Täter und Taten, sondern um Verantwortung, Erinnerung