Canvas
Kritik
Man taucht sofort in diese faszinierende Welt ein, in der die Realität immer mehr von virtuellen Welten verdrängt wird – und fühlt sich dabei irgendwie unheimlich nah dran. „Canvas“ nimmt uns mit in eine Zukunft, in der Menschen Jobs in digitalen Realitäten annehmen, um der drückenden Hitze einer sterbenden Erde zu entkommen. Jana, die clevere Designerin hinter Canvas, wird zum Dreh- und Angelpunkt einer Geschichte, die mehr als nur Science-Fiction ist: Sie zeigt eine Gesellschaft, die sich zwischen Flucht und Widerstand bewegt.
Die Figuren sind sorgfältig gezeichnet, dabei aber nie überinszeniert – man kann sich ernsthaft in sie hineinversetzen, mit jeder Motivation mitfühlen, ohne dass sie zum Klischee verkommen. Poznanskis Schreibstil ist dabei angenehm flüssig und lebendig, trifft den Ton moderner Dystopien mit einer eigenen, frischen Note. Besonders gelungen sind die bildhaften Beschreibungen der virtuellen Welten, die trotz aller Technik menschlich und glaubwürdig wirken. Zwischendrin habe ich immer wieder gedacht: Wow, das könnte echt so sein.
Kritisch muss ich anmerken, dass der Spannungsbogen manchmal etwas vorhersehbar ist und einzelne Nebenhandlungen ein wenig zu langatmig wirken. Das hat meinem Lesespaß aber kaum einen Abbruch getan, denn die Hauptstory zieht einen mit genug Drive durch die Seiten.
Wer also auf moderne Dystopien mit Technik-Kritik, gesellschaftlichen Fragen und einer Prise Widerstand steht, wird mit „Canvas“ richtig happy. Es ist kein schwerer Schinken, sondern eher ein cleveres Sci-Fi-Abenteuer, das zum Nachdenken anregt und dabei bestens unterhält.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen – ein starkes Buch für alle, die gerne eintauchen und zugleich den Blick auf unsere Zukunft nicht verlieren wollen.
Klappentext
Die neueste Welt von Designerin Jana heißt "Canvas" und ist eine Art Stellenvermittlung: Man kann sich hier für Jobs in anderen Welten bewerben. Arbeiten, die niemand machen will, die aber wichtig sind, damit alles möglichst echt wirkt. Als Entlohnung winken neue Pässe für die schönsten Welten der Firma Mastermind. Denn seitdem die Erde für ein Leben zu heiß geworden ist, verbringen die Menschen ihre Tage überwiegend im Virtuellen. Nur eine kleine privilegierte Elite, zu der auch die Gründerfamilie von Mastermind gehört, genießt das milde Klima in den wenigen noch lebenswerten Regionen der Erde. Aber dann macht sich Widerstand bemerkbar …
Ungekürzte Lesung mit Laura Maire
13h 6min