Unerwünschte Töchter
Kritik
Es gibt Bücher, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern ganze Familiengeschichten, die sich wie Wellen durch ein ganzes Jahrhundert ziehen. „Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe gehört eindeutig dazu. Vier starke Frauen, vier Generationen, die miteinander ringen, lieben und sich immer wieder neu erfinden – das ist kein leichter Stoff, aber Carbe schafft es, ihn so lebendig und nahbar zu erzählen, dass man von der ersten Seite an mittendrin ist.
Im Zentrum stehen Margarethe, Marianne, Monika und Miriam – Frauen, die geprägt sind von den Schatten der Weltkriege, aber auch von einem unbändigen Willen zur Freiheit. Besonders Monika, die hochintelligente und innere zerrissene Enkelin, zieht einen in ihren Bann. Ihre Entscheidung, in den wilden Sechzigern ein uneheliches schwarzes Kind großzuziehen, bringt Konflikte zum Kochen – und macht die Geschichte umso greifbarer und relevanter. Man spürt förmlich, wie eng Liebe und Schmerz hier beieinander liegen.
Der Schreibstil von Miriam Carbe ist dabei eine echte Stärke: klar, präzise, aber niemals kalt. Sie fängt das Chaos, die Zerrissenheit und die Schönheit familiärer Verbindungen ein, ohne ins Kitschige zu verfallen. Da gibt es Momente, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, und andere, die das Herz schwer machen. So fühlt sich das an – echt, manchmal unbequem, aber absolut lohnenswert.
Was mir vielleicht ein bisschen gefehlt hat, ist der eine oder andere spannendere Erzählmoment, der mehr Tempo reingebracht hätte. Manchmal zieht sich die Geschichte an manchen Stellen vielleicht etwas zu sehr in die Länge, aber das schmälert den beeindruckenden Gesamt-Eindruck nur kaum.
Wer auf Familiengeschichten steht, die mehr sind als bloße Biografien, und dabei nicht vor den dunklen Ecken des Lebens zurückschreckt, trifft mit „Unerwünschte Töchter“ eine wirklich gute Wahl. Ein emotionales, kluges Buch, das nachwirkt und zum Nachdenken anregt.
4 von 5 Sternen – ein großer Wurf mit kleinen Schönheitsfehlern, der seine Leser:innen tief berühren wird.
Klappentext
»Miriam Carbe erzählt in einer bewegenden Familiengeschichte von einem ganzen Jahrhundert.« Mariana Leky