Im Schatten unserer Wünsche
Kritik
Wer bei Jeffrey Archer ein Buch aufschlägt, weiß, dass ihn eine mitreißende Geschichte erwartet – und „Im Schatten unserer Wünsche“ enttäuscht hier keineswegs. Der Roman entführt ins Jahr 1957 und erzählt von den tief verwobenen Schicksalen zweier Familien, deren Verbindungen von Liebe, Loyalität und den dunklen Seiten der Macht geprägt sind. Im Zentrum steht Emma Clifton, deren mutiger Griff nach der Führung der Barrington-Flotte ebenso fesselt wie die Probleme, die das Schicksal ihrer Familie überschattet.
Harry Clifton und Giles Barrington sind mehr als nur Freunde, ihre Leben sind seit Kindertagen miteinander verflochten. Arches Erzählkunst bringt ihre Charaktere lebendig auf die Seite – keine seelenlose Heldeninszenierung, sondern echte Menschen mit Ecken und Kanten. Emma kommt als starke Frau rüber, die sich in der Männerwelt der 50er Jahre behaupten will, und das macht sie besonders sympathisch. Der Schreibstil ist klar, zugänglich und bewegt sich angenehm zwischen spannungsgeladenem Drama und momentanen, fast schon zarten Familienbildern – gerade das hält die Geschichte abwechslungsreich.
Tickt dir vielleicht auch der Gedanke: „Schon wieder eine Familiengeschichte mit allen Klischees?“ Keine Sorge, Archer schafft es – ich fand es überraschend! – die bekannten Motive nicht bloß abzuspulen, sondern mit kleinen Wendungen zu versehen, die das Lesen spannend machen. Trotzdem hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, das Tempo könnte etwas höher sein, und manche Dialoge wirkten etwas konstruiert. Aber hey, das tut dem Spaß nicht wirklich großen Abbruch.
Wer Lust auf einen Roman hat, der Historisches mit emotionalen Konflikten verbindet und dabei recht bodenständig bleibt, ist hier richtig. Perfekt für alle, die gerne in Familiengeheimnisse eintauchen und sich von gut gezeichneten Figuren fesseln lassen mögen – ohne Anspruch auf literarische Revolution.
Kurz gesagt: Ein solider, gut geschriebener Pageturner, der Lust auf mehr macht, auch wenn er nicht ganz an Archers beste Werke heranreicht.
4 von 5 Sternen – definitiv empfehlenswert für alle, die gern unterhaltsame und herzerwärmende Familiengeschichten schätzen.
Klappentext
1957: Die Jugendfreunde Harry Clifton, ein Arbeiterkind, und Giles Barrington, Erbe einer großen Schifffahrt-Dynastie, sind auch verbunden durch die Liebe zwischen Harry und Emma, der Schwester von Giles. Sie haben bereits vielen Herausforderungen getrotzt: Den Wirren um Herkunft und Erbe, Verrat, Intrigen, Krieg. Emma Clifton bietet sich die Gelegenheit, den Vorsitz der Barrington Schifffahrtgesellschaft zu übernehmen und Macht zu gewinnen. Doch als ihr Sohn Sebastian in einen Autounfall verwickelt wird, legt sich einen Schatten auf Emmas und Harry Glück …