In den Wäldern der Biber
Kritik
Schon der erste Satz zieht einen in eine Welt, die so nah und gleichzeitig so fern scheint: Alina, mitten im Großstadtchaos, flüchtet zurück in die Stille eines brandenburgischen Dorfes – zu ihrem großväterlichen Rückzugsort, den sie 18 Jahre lang gemieden hat. Was folgt, ist eine Geschichte, die auf ganz leise Weise berührt.
Im Kern geht es um Neubeginn und die oft komplizierte Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Alina wird bei ihrem Großvater willkommen geheißen – einem Menschen, der mit seinem schroffen Alltag zwischen Hühnern und Biberbeobachtungen eine ganz eigene Ruhe ausstrahlt. Die Szenerie am Waldrand fungiert dabei nicht nur als Kulisse, sondern als lebendiger Charakter, der Erinnerungen weckt und Wunden heilt. Der Erzählstil von Franziska Fischer ist dabei angenehm unaufgeregt, mit liebevollen Details, die ohne Schnörkel vermitteln, wie viel Frieden die Natur schenken kann.
Was mir richtig gut gefallen hat: Die Figuren sind kein Klischee, sondern echte Menschen mit Macken und Tiefe. Alinas innere Zerrissenheit wird glaubwürdig dargestellt, und der Großvater ist trotz seiner manchmal grantigen Art unglaublich warmherzig. Das nimmt einen mit, ohne kitschig zu wirken. Zwischendurch hätte ich mir allerdings etwas mehr Tempo oder Spannung gewünscht, manchmal zieht sich die Handlung ein wenig – aber gerade das langsame Tempo passt natürlich auch zur Stimmung des Buches.
Wenn du Lust auf eine ruhige, herzerwärmende Geschichte hast, die sich Zeit nimmt für Momentaufnahmen und die Kraft der Natur, dann ist „In den Wäldern der Biber“ genau das Richtige. Kein Pageturner, aber ein Buch für die Seele, das nachklingt.
Ich vergebe solide 4 von 5 Sternen – ein Wohlfühlroman mit Tiefgang, der zeigt, wie heilsam ein Schritt zurück zu den Wurzeln sein kann.