Schwarze Samstage - Roman eines Jahres (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Dieses Hörbuch zieht einen sofort hinein in ein Meer aus Erinnerungen, Ängsten und Hoffnungen, die die Geschichte so nahbar machen, dass man fast das Gefühl hat, selbst neben Ari auf der Couch zu sitzen. Maxim Biller nimmt uns mit auf eine Reise durch Jahrzehnte, die geprägt sind von Flucht, Neubeginn und dem nie endenden Schatten des Antisemitismus – und das alles erzählt aus der Perspektive eines jungen Mannes, der zwischen Welten und Zeiten zerrissen ist.
Ari, der Ich-Erzähler, ist so vielschichtig und echt, dass man regelrecht mitleidet, aber auch mit ihm freut, wenn kleine Sonnenstrahlen in sein Leben fallen. Die Mischung aus politischer Reflexion und persönlichem Erleben, besonders im Kontext der jüdischen Geschichte Gegenwart und Vergangenheit, macht diese Geschichte zu etwas Besonderem. Billers Schreibstil ist dabei ein echtes Plus: packend, poetisch und tiefgründig, ohne dabei zu verkopft zu sein. Genau diese Balance sorgt dafür, dass man nicht nur zuhört, sondern nachdenkt – und mit einem Kloß im Hals zurückbleibt.
Klar, die ungekürzte Lesung zieht sich an manchen Stellen etwas, da gibt es Momente, in denen man sich ein wenig mehr Tempo gewünscht hätte. Ein paar Passagen sind recht detailverliebt und könnten die Aufmerksamkeit der weniger geduldigen Hörer strapazieren. Aber hey, gerade das macht diese Art von Literatur ja auch aus – man nimmt sich Zeit, um wirklich hinzuhören.
Wer also auf der Suche nach einem klugen, emotionalen und historisch bedeutsamen Roman ist, der über das Alltägliche hinausgeht und mit vielen Fragen, die uns auch heute betreffen, aufwartet, liegt hier genau richtig. Ein Buch, das man nicht mal eben so weglegt, sondern mitnimmt – im Kopf und im Herzen.
Vier von fünf Sternen – für eine eindringliche, bewegende und wichtige Stimme in der deutschsprachigen Literatur.
Klappentext
Woher, fragte sich Ari seitdem, kommt der ewige Wunsch der anderen nach der völligen Vernichtung der Juden? Dieses nachdenkliche, mitreißende, hochpoetische Hörbuch, den man auch als Prequel zu Maxim Billers gefeiertem MemoirDer gebrauchte Jude lesen kann, gibt auf diese Frage eine überraschende und zugleich sehr reflektierte Antwort.