One uncontrollable Kiss
Kritik
Manchmal trifft man auf Figuren, die so konträr zueinander sind, dass man sich fragt, wie sie überhaupt denselben Raum teilen – und genau dieser Funke sorgt für ordentlich Zündstoff in One uncontrollable Kiss. Nate Grant ist das personifizierte Rock'n'Roll-Chaos, ein Typ, der Regeln großflächig ignoriert und sich offensichtlich selbst auf den Keks geht – zumindest solange, bis ihm das Gericht eine saftige Strafmaßnahme verpasst. Enter Louisiana Harper: die Bürokratie in Perlenohrringen, die nach außen hin so starr wirkt wie ein Gesetzbuch, aber innerlich ein überraschend tollpatschiger Kontroll-Freak ist. Diese Kombi ist Zucker für alle, die auf die Dynamik „Gegensätze ziehen sich an“ stehen.
Die Handlung hält das Tempo knackig, ohne überkandidelt zu wirken. Es geht um wilde Touren, scharfzüngige Schlagabtausche und diesen einen Moment, der alles auf den Kopf stellt – eben diesen unvermeidlichen Kuss, der schon im Titel ankündigt, dass hier Emotionen nicht nur nett schmoren, sondern ordentlich explodieren. Die Charaktere sind dabei so plastisch geschrieben, dass man sich gerne in Nates rebellischem Geist oder Louisianas Unerbittlichkeit verliert. Philippa L. Anderssons Schreibstil ist flüssig, spritzig und streut hier und da kleine humorvolle Spitzen ein, die das Ganze leicht und unterhaltsam halten.
Was mir besonders gefallen hat? Die Chemie zwischen Nate und Louisiana strotzt vor Authentizität und Selbstironie. Es ist kein typisches Hollywood-Klischee, sondern eher eine charmante Reise durch Widerstände und vorsichtige Annäherungen. Kleine Schwäche: Manchmal schleicht sich ein bisschen Vorhersehbarkeit in den Plot, was bei einem Genre-Klassiker kaum überrascht, aber dennoch ein Hauch mehr Überraschung hätte das Leseerlebnis abgesehen von der großen knisternden Szene noch aufregender gemacht.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen lockeren, romantischen Roadtrip mit ein bisschen Rebellion, viel Herz und ironischen Seitenblicken hat, dürfte hier ein echtes Wohlfühlbuch finden. Für alle, die Tiefgang suchen à la literarischer Meisterklasse, ist es nicht der Klassiker, aber das will es auch gar nicht sein. Vier Sterne, weil die Mischung aus Rockerflair und ordnungsfanatischer Leidenschaft einfach Spaß macht – vielleicht genau das richtige für den nächsten verregneten Sonntag.