Wenn dir das hier gefiel …
Stille
Key Facts
Kritik
Manchmal ist es genau diese ruhige, unterschwellige Spannung, die einem Krimi den nötigen Kick gibt – und „Stille“ von Ragnar Jónasson liefert genau das in vollendeter Form. Helgi Reykdal, der neue Kommissar in Reykjavík, bekommt es mit dem rätselhaften Verschwinden der beliebten Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir zu tun. Dabei ist es weniger das offensichtliche Verbrechen als die vielen feinen Unebenheiten in ihrer Vergangenheit, die den Fall so richtig spannend machen.
Helgi ist ein angenehm vielschichtiger Charakter: nicht der typische knallharte Cop, sondern jemand, der mit familiären Problemen kämpft und sich in der düsteren nordischen Atmosphäre ganz real anfühlt. Dass er inmitten des Falls immer wieder zu Agatha Christie greift, ist eine nette, fast schon charmante Anekdote, die dem Ganzen zusätzlich Tiefe verleiht. Jónassons Schreibstil ist dabei angenehm unaufgeregt, aber immer so präzise, dass man die Kälte und Stille Islands fast selbst spürt. Das nimmt einen mit, auch wenn das Tempo öfter mal etwas gemächlicher ist, als man es von Thrillern gewohnt ist.
Was mir gefallen hat: Die Art, wie der Autor die nordische Landschaft und die Stimmung einfängt, ohne Klischees zu bedienen. Das Zusammenspiel von privaten Dramen und dem ungelösten Fall bringt echte emotionale Tiefe. Allerdings muss man auch sagen: Wer auf vollgepackte Action oder ununterbrochene Spannung hofft, könnte hier ein bisschen zu viel Geduld mitbringen müssen.
Kurzum, wenn du Lust auf einen gut durchdachten und atmosphärisch dichten Krimi hast, der nordisches Flair mit einer Prise literarischer Hommage verbindet, dann bist du hier genau richtig. Für alle, die es gern etwas ruhiger mit Tiefgang mögen, definitiv ein Gewinn.
4 von 5 Sternen – ruhig, clever und stimmig, mit kleinen Tempomacken, die man aber leicht verzeiht.
Klappentext
Helgi Reykdal hat sich als Kommissar bei der Polizei in Reykjavík etabliert, nachdem er die Nachfolge von Hulda übernommen hat. Jetzt wird er mit einem ungewöhnlichen Fall betraut: Die 70jährige gefeierte isländische Krimiautorin Elín S. Jónsdóttir ist spurlos verschwunden. Ist sie freiwillig untergetaucht oder steckt ein Verbrechen dahinter? Während Helgi in Elíns Vergangenheit nachforscht und dabei erstaunliche Ungereimtheiten entdeckt, kämpft er zugleich mit familiären Spannungen. Um sich davon abzulenken, nimmt er immer wieder Krimis seiner Lieblingsautorin Agatha Christie zur Hand und lässt sich davon inspirieren. Jónasson verwebt meisterhaft nordische Atmosphäre und subtile Spannung zu einem vielschichtigen Krimi. Ein Muss für Fans nordischer Kriminalliteratur – vom isländischen Bestsellerautor Ragnar Jónasson.