Bruderherz
Kritik
Kaum hat man „Bruderherz“ aufgeschlagen, merkt man sofort: Hier wird nicht einfach nur eine Geschichte erzählt, hier pulsiert das Leben – rau, ehrlich und manchmal richtig schmerzhaft. Arlo Hackett kehrt nach zwölf Jahren hinter Gittern in seine Heimat Yulara zurück, und schon spürt man die Spannung in der Luft. Eine kleine Stadt, in der jede Ecke davon zeugt, dass Arlo nicht mehr willkommen ist. Doch was ist wirklich passiert? Wem kannst du trauen, wenn selbst deine engsten Vertrauten Mauern errichten?
Michael Robotham versteht es meisterhaft, Charaktere zu schaffen, die nicht in Schwarz oder Weiß malen – jeder hat seine Schatten, seine Geheimnisse. Arlo ist kein Held im klassischen Sinn, sondern ein Mann, der mit Schuld, Verrat und verzweifelter Hoffnung kämpft. Das macht ihn nahbar und echt. Der Schreibstil fesselt, ohne zu kompliziert zu sein; die Sprache lebt von klaren Bildern und einem Tempo, das dich immer weiterziehen lässt. Man liest regelrecht mit klopfendem Herzen, weil jederzeit eine Wendung um die Ecke lauert.
Was mir besonders gefallen hat? Die Atmosphäre, die Robotham hier aufbaut. Yulara schimmert greifbar durch jede Szene – die Hitze, die Schwere der Vergangenheit, die unerbittliche Neugier der Einwohner. Und die Frage, ob Vergebung möglich ist, wird so vielschichtig gestellt, dass du als Leserin*Leser wirklich mitfieberst und mitdenkst. Einziger kleiner Wermutstropfen: Manche Passagen ziehen sich für meinen Geschmack etwas, hier hätte man ruhig etwas straffer erzählen können, um die Spannung durchgehend hochzuhalten.
Wer auf psychologisch dichte Thriller steht, bei denen Moral kein einfaches Spiel ist, für den ist „Bruderherz“ definitiv ein Gewinn. Wer eher leichte Kost sucht, sollte vielleicht einen kleinen Umweg machen. Für alle anderen bietet Michael Robotham ein cleveres, emotionales Paket, das noch lange nach dem Lesen nachhallt.
Ganz klar solide 4 von 5 Sternen – ein Buch, das dich packt und nicht mehr loslässt.
Klappentext
Nach zwölf Jahren hinter Gittern kehrt Arlo Hackett in seine australische Heimatstadt Yulara zurück – ein Ort, dessen Bewohner ihn einst verurteilten und verstießen. Damals wurde er der Beihilfe zu einem schweren Verbrechen beschuldigt, das sein Bruder Luke begangen haben soll. Doch Arlo hat nie an Lukes Schuld geglaubt. Nun begegnen ihm selbst die wenigen Menschen, mit denen er einst verbunden war, mit Misstrauen und Feindseligkeit. Wer lügt, wer verschweigt etwas – und wem kann Arlo überhaupt noch trauen? Während er sich seinen schmerzhaften Erinnerungen stellt und der Wahrheit näherkommt, gerät sein Leben erneut aus den Fugen. Zwischen Verrat und Schuld muss er sich die Frage stellen, ob Vergebung möglich ist – oder ob sie alles zerstört, was ihm noch geblieben ist.
Gekürzte Lesung mit Rosario Bona
12h 21min