Bastian Pastewka und Komplizen in Paul Temple und der Fall Gregory
Kritik
Wer Krimis mit Charme und einer Prise Nostalgie liebt, ist hier schon mal auf der Zielgeraden. „Bastian Pastewka und Komplizen in Paul Temple und der Fall Gregory“ ist keine schnöde Neuauflage, sondern ein liebevoll gemachtes Hörspiel, das den Geist der 50er Jahre in die Gegenwart transportiert – und das auf eine erstaunlich lebendige und witzige Art.
Die Geschichte dreht sich um den ebenso smarten wie hartnäckigen Detektiv Paul Temple, der sich wie immer in dunkle Machenschaften verstrickt. Wer jetzt ein ultra-komplexes Crime-Puzzle erwartet, wird vielleicht überrascht sein – der Fokus liegt hier mehr auf Atmosphäre und dem Zusammenspiel der Charaktere als auf knallhartem Whodunit. Dafür bringen Bastian Pastewka und seine Mitstreiter eine Geschmacksexplosion aus trockenem Humor, subtilem Flair und leicht verstaubtem Krimi-Charme auf die Bühne, sodass man sich gern selbst als Teil dieser verschrobenen Welt sieht.
Der Schreibstil – oder besser gesagt, die Inszenierung – ist herrlich unaufgeregt, fast wie ein vertrautes Gespräch unter alten Freunden, die gemeinsam einen guten Fall zum Leben erwecken. Besonders schön: Das Ensemble harmoniert wunderbar, die spontanen Schlagabtausche und kleinen Scherze lockern die Spannung immer wieder perfekt auf. Und ja, es gibt diese typischen Durbridge-Elemente – die gefälschte Visitenkarte, die gefährlichen Halstücher – die nostalgischen Fans werden hier definitiv ihre Freude haben. Die Musikuntermalung unterstützt das Ganze dabei, ohne jemals zu sehr aufzudrängen.
Klar, wer moderne Thriller mit rasanten Wendungen sucht, könnte sich hier etwas unterfordert fühlen. Die Story ist stilistisch eben ein Liebesbrief an die Krimis der Vergangenheit mit all ihren typischen Klischees und Slowly-building suspense. Außerdem hätte die etwas kompaktere Gestaltung ein paar kleine Tempo-Boosts gebrauchen können, damit man zwischendurch nicht ins Abschweifen gerät.
Am Ende bleibt ein angenehmes Hörspiel-Erlebnis, das gerade Fans des klassischen Kriminalfilms und Nostalgiker anspricht. Gediegen, unterhaltsam und charmant – perfekt für alle, die Lust auf eine kurzweilige Zeitreise in die Anfänge des Fernseh-Krimis haben.
3,5 von 5 Sternen. Wer auf altmodisches Flair und einen Hauch britische Detective-Atmosphäre steht, darf gern zugreifen. Alle anderen wissen spätestens nach der ersten halben Stunde, ob die Mischung zu ihrem Geschmack passt.
Klappentext
Francis Durbridge schrieb in der Frühzeit des Fernsehens die besten Radio-Krimiserien und Paul Temples zahlreiche Fälle genießen immer noch Kultstatus. Hierzulande sind einige Temple-Serien aus den Jahren 1951 bis 1967 erhalten geblieben. Doch der erste Fall, "Paul Temple und die Affäre Gregory", ist nach seiner deutschen Ursendung im Jahre 1949 aus den Rundfunkarchiven verschwunden und tauchte als Textfragment erst kürzlich wieder auf. Anlass für Bastian Pastewka, vier Schauspielkollegen zusammenzuholen, um gemeinsam mit ihnen diesen Durbridge-Krimi wiederaufzuführen: Ein launiger Schlagabtausch beginnt ... Ein Hörspiel aus der Zeit, als sich die Schurken mit einer gefälschten Visitenkarte vorstellten, bevor sie ihre Opfer mit einem Halstuch oder einem vergifteten Dry Martini ins Jenseits beförderten. Eine liebevolle Hommage von Regisseur Leonhard Koppelmann, mit Bastian Pastewka als Paul Temple sowie Inga Busch, Janina Sachau, Alexis Kara und Kai Magnus Sting. Der berühmte Fall Gregory: verschollen, wiederentdeckt, und nun neu inszeniert mit viel Witz, der Originalmusik von Hans Jönsson, schmissigen neuen Arrangements von Mike Herting und vielen weiteren Überraschungen.
(Laufzeit: 1h 47)