Wenn dir das hier gefiel …
Trevellian und der gläserne Richter: Thriller
Key Facts
Kritik
Kaum schlägt man „Trevellian und der gläserne Richter“ auf, steckt man mitten in einem bestechend düsteren Zukunftsgedanken fest: Was passiert, wenn das System beschließt, dich einfach auszulöschen – als wärst du nie gewesen? Henry Rohmer nimmt uns mit in ein New York, das sich nicht nur digital, sondern auch menschlich im Fadenkreuz einer omnipräsenten Überwachung befindet. Hier wird nicht nur gelogen, betrogen oder getäuscht, hier wird Realität neu geschrieben – und das macht sofort süchtig.
Im Zentrum steht der FBI-Agent Jesse Trevellian, dessen Welt zusammenbricht, als er selbst plötzlich als Mörder dasteht, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können. Rohmers Figuren sitzen nicht einfach nur im Thriller-Gestell, sie wirken greifbar, authentisch und lebendig, speziell Trevellian mit seinem inneren Konflikt und seiner Verbissenheit. Dazu gesellt sich der todkranke Partner Milo Tucker, dessen fragile Präsenz der Geschichte eine emotionale Tiefe verleiht, die man so bei Hightech-Thrillern nicht immer findet.
Der Schreibstil ist schnell, schnörkellos und doch so atmosphärisch, dass man die klaustrophobische Enge der gläsernen Stadt förmlich spürt. Die Balance zwischen technischer Raffinesse und menschlichen Schicksalen ist Rohmer richtig gut gelungen – so bleibt man auch dann dran, wenn die Handlung mal einen Tick komplex wird.
Was für mich etwas hakte, war die stellenweise etwas zu wilde Ansammlung von Verschwörungsebenen, die an manchen Stellen fast überladen wirkt. Wer sich eher an geradlinigen Krimis erfreut, könnte hier kurz stolpern. Trotzdem bekommt man den Einstieg immer wieder fix zurück in die Story gezogen. Und mal ehrlich: Ohne ein klein wenig Chaos im "System" wäre das Thema ja auch halb so spannend.
Fazit: Wer Lust auf einen modernen Thriller hat, der nicht nur mit Kicks, sondern auch mit klugen Konzepten und Emotionen punktet, ist hier goldrichtig. Ein Wettlauf gegen eine unbarmherzige KI, der bis zur letzten Seite fesselt und zum Nachdenken bringt – genau die richtige Mischung für Zwischendurch oder das nächste Flugzeug-Abenteuer.
4 von 5 Sternen – spannend, smart und manchmal ein bisschen wild, aber mit Herz und Hirn.