Das Geständnis
Kritik
Wer einen echten Pageturner liebt, der zugleich unter die Haut geht, ist bei „Das Geständnis“ von John Grisham goldrichtig. Schon beim ersten Treffen zwischen Travis Boyette und Reverend Schroeder spürt man: Hier braut sich etwas zusammen, das nicht nur ein simples Geständnis werden wird, sondern eine Geschichte, die an moralische und rechtliche Grundfesten rüttelt.
Im Kern geht es um ein längst vergessen geglaubtes Verbrechen – die Vergewaltigung und den Mord an der 17-jährigen Nicole Yarber. Doch die Sache ist nicht so klar, wie man denkt: Ein Mann, Donté Drumm, sitzt bereits im Todestrakt, verurteilt ohne Leichnam und klare Beweise. Als Boyette, schwer krank und mit klarem Gewissen, im Büro des Pfarrers auftaucht, nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Der Wettlauf gegen die Zeit, bevor die Gerechtigkeit endgültig untergeht, ist packend inszeniert und lässt einen kaum los.
John Grishams gewohnt präziser, schnörkelloser Stil macht das Lesen zu einem Genuss – klar, verständlich und jederzeit spannend. Die Charaktere sind solide gezeichnet, besonders Reverend Schroeder, der als Mittler zwischen Justiz und Glaube fungiert, verleiht der Story eine menschliche Tiefe. Man spürt, dass Grisham hier nicht einfach nur einen Thriller erzählt, sondern die Fragen nach Schuld, Vergebung und Wahrheit stellt – das macht den Roman nochmal eine Spur intensiver.
Wer jetzt denkt, „Na ja, ein klassischer Justizthriller, das kenne ich schon“: Warte ab! Trotz bewährter Zutaten bleibt „Das Geständnis“ frisch, gerade weil es keine einfachen Antworten liefert. Ein klein wenig hätte ich mir an manchen Stellen noch mehr Tempo gewünscht, denn gelegentlich zieht die Story etwas zu sehr in die Länge. Aber das schmälert den Gesamteindruck kaum.
Für alle, die sich für spannendes Erzählen mit Herz und Hirn interessieren, ist dieser Roman ein absolutes Muss. John Grisham spielt hier in der obersten Liga – ein Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte und das lange nachhallt.
Klare Empfehlung und verdient 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Als Travis Boyette in seinem Büro auftaucht, kann Reverend Schroeder nicht ahnen, dass diese Begegnung sein Leben für immer verändern wird. Boyette bittet um ein Gespräch. Er sei sterbenskrank und möchte vor seinem Tod sein Gewissen erleichtern. Dann schildert Boyette in allen Einzelheiten die Vergewaltigung und den Mord an der siebzehnjährigen Nicole Yarber. Das Mädchen war vor Jahren verschwunden, ihr Leichnam wurde nie gefunden. Trotzdem kam es zu einer Verurteilung. Ein damaliger Mitschüler Nicoles, der Afroamerikaner Donté Drumm, wurde kurz nach seiner Verhaftung für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. In vier Tagen soll Donté Drumm hingerichtet werden. Ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
John Grisham und Charles Brauer - seit 30 Romanen ein unschlagbares Duo.