Lehrerkind
Kritik
Wer schon mal ein Lehrerkind war oder eine gewisse Abneigung gegen Elternsprechtage hegt, findet hier sofort einen sympathischen Verbündeten. Bastian Bielendorfer nimmt uns mit auf seine persönliche Achterbahnfahrt durch die Welt, in der die Eltern nicht nur Lehrer sind, sondern direkt an der eigenen Schule. Das bedeutet: ständige Aufmerksamkeit, endlose Hänseleien von Mitschülern und das blamable Scheitern bei den Bundesjugendspielen – all das schildert Bielendorfer mit einer erfrischenden Portion Selbstironie und Humor, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.
Die Hauptfigur, also der Autor selbst, wirkt dabei herrlich authentisch und nahbar. Man sieht ihm förmlich an, wie sehr er der pädagogischen Sippenhaft zu entkommen versucht, während er gleichzeitig die Schattenseiten und liebenswerten Macken des Lehrer-Daseins auslotet. Sein Schreibstil ist locker, charmant und spritzig, nie kitschig – genau die richtige Mischung, um auch ernste Themen spielerisch zu verpacken, ohne flach zu wirken. Besonders gefallen hat mir, wie Bielendorfer immer wieder den Spagat zwischen Humor und emotionalen Momenten schafft, sodass man nicht nur schmunzelt, sondern auch richtig mitfühlt.
Klar, manchmal hätte ich mir eine etwas tiefgründigere Reflexion gewünscht, aber ehrlich gesagt macht gerade der leicht chaotische Ton das Buch so unterhaltsam und „echt“. Für alle, die Einblicke in ein ungewöhnliches Eltern-Kind-Schulverhältnis suchen oder einfach eine witzige und ehrliche Story wollen, ist „Lehrerkind“ definitiv ein Volltreffer.
Fazit: Eine köstlich-selbstironische Lektüre, die mit viel Herz und Humor überzeugt – perfekt für Leser:innen, die gerne lachen und dabei auch mal einen Blick hinter die Kulissen werfen möchten. Ich gebe 4 von 5 Sternen.