Die innere Oma
Kritik
Es gibt Bücher, die einen sofort warm ums Herz machen und einem das Gefühl geben, endlich verstanden zu werden – „Die innere Oma“ von Franca Cerutti gehört genau in diese Kategorie. Man begegnet hier einer Stimme, die wir alle wohl brauchen könnten: dieser weisen, geduldigen, leicht kauzigen, aber unglaublich liebevollen inneren Begleiterin, die uns zur Seite steht, wenn der Alltag mal wieder zu laut oder chaotisch wird.
Worum geht’s? Ganz einfach: Franca Cerutti lädt dich ein, die »innere Oma« kennenzulernen – eine Art mentale Großmutter, die nicht in der Vergangenheit verharrt, sondern dir mit Lebenserfahrung, Klugheit und einem guten Schuss Humor hilft, den Stress loszulassen. Dabei stehen Themen wie Perfektionismus, Schuldgefühle und der ewige Vergleich mit anderen im Fokus. Du lernst, wie du dich selbst entlastest, deine inneren Antreiber beruhigst und dich mehr darauf konzentrierst, was wirklich zählt: dein Leben – nicht das Optimierungsprojekt daraus.
Die Figuren sind hier vor allem innere Anteile, und die „innere Oma“ hat dabei so viel Persönlichkeit, dass sie fast zum greifbaren Charakter wird. Cerutti schreibt klar, einfühlsam und ohne Schnörkel – kein esoterisches Geschwurbel, sondern fundiertes psychologisches Wissen, serviert in einer warmen, nahbaren Sprache. Das hat mir wirklich gut gefallen, weil es das Buch nicht verkopft, sondern zugänglich macht. Zwischendurch dachte ich: „Mensch, hätte ich diese Oma doch früher gehabt!“
Klar, etwas mehr Struktur hätte dem Buch hier und da gut getan. Manchmal fühlt es sich an, als hätte die innere Oma viel zu viel zu erzählen und springt leicht von Thema zu Thema. Für Leser:innen, die es gern knackig und geradlinig haben, könnte das etwas geduldige Entschleunigung erfordern.
Wer also genug davon hat, sich selbst immer wieder mit unrealistischen Erwartungen zu ruinieren, oder mal einen Perspektivwechsel braucht, ist bei „Die innere Oma“ richtig aufgehoben. Dieses Buch macht das, was es verspricht: Es beruhigt, tröstet und erinnert sanft daran, dass man nicht immer mehr leisten muss, um gut zu sein.
Fazit: Eine warmherzige Einladung, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen – ohne Drama, aber mit viel Herz und Weisheit. Ideal für alle, die sich selbst öfter mal wie eine gute alte Oma behandeln wollen.
4 von 5 Sternen.