Die Mitternachtsreise (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal braucht es kaum mehr als einen einzelnen Moment, um das Herz so richtig zum Hüpfen – oder Brechen – zu bringen. Genau so fühlt sich „Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig an, eine Geschichte, die dich einlädt, die Zeit zurückzudrehen, aber ganz vorsichtig, denn was du dabei verlierst, könnte größer sein als das, was du gewinnst.
Im Zentrum steht Wilbur, dessen Leben einem Zeitraffer gleicht, und der auf dem Mitternachtszug die Chance bekommt, die entscheidenden Momente seines Daseins noch einmal zu erleben. Besonders seine Erinnerung an Maggie, seine große Liebe und die Flitterwochen in Venedig, zieht einen sofort in den Bann. Will man wirklich zurück, um etwas zu ändern? Oder blockiert gerade das bewusste Erinnern die Magie des Lebens? Matt Haig schafft es, mit einer federleichten, klaren Sprache und dennoch äußerst tiefgründig, diese Fragen zu stellen, ohne dass es jemals schwerfällig oder überladen wirkt.
Wilbur als Held wirkt dabei so nahbar, dass man fast den Drang verspürt, ihn mit einem guten Rat zurück auf den richtigen Pfad zu schicken. Die Stimmen des Erzählers in der ungekürzten Lesung unterstreichen die Emotionen wunderbar, bringen den Mix aus Sehnsucht, Hoffnung und Nachdenklichkeit authentisch rüber.
Klar, man könnte sich noch mehr Überraschungen oder ein etwas breiter gefächertes Figurenensemble wünschen, aber gerade die Konzentration auf Wilburs Reise macht den Charme aus – mehr Raum für Emotionen, weniger Ablenkung. Und wer möchte nicht ein bisschen Zauberei in seinem Alltag?
Für alle mit einer Schwäche für feinsinnige Liebesgeschichten, die nicht nur das Herz, sondern auch den Verstand ansprechen, ist „Die Mitternachtsreise“ genau das richtige Hörbuch. Perfekt für lauschige Abende, an denen man sich einfach mal treiben lassen will.
4 von 5 Sternen – eine subtile, berührende Reise, die nicht nur Fans von Matt Haig begeistern wird.