Brennende Gischt
Kritik
Schon der erste Satz zieht dich direkt in den kalten Wind und das raue Meer von Sylt – man spürt förmlich die salzige Gischt auf der Haut. Sabine Weiß liefert mit „Brennende Gischt“ einen Krimi ab, der nicht nur durch seine packende Handlung besticht, sondern auch mit den dunklen Geheimnissen hinter den Fassaden einer scheinbar idyllischen Insel fesselt.
Im Mittelpunkt steht Liv Lammers von der Flensburger Kriminalpolizei, die hier wirklich eine starke Figur macht: clever, zäh und mit einem feinen Gespür für die Zwischentöne in einem Fall, der alles andere als klar ist. Drei Todesfälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, offenbaren im weiteren Verlauf ein dichtes Netz aus Lügen, Intrigen und Erpressung – und das endet nicht mal bei den Kollegen. Der spannend erzählte Kriminalfall zieht sich durch viele unerwartete Wendungen, die mich oft überraschten und vor allem eines vermieden: Langeweile.
Der Schreibstil von Sabine Weiß ist leicht zugänglich, aber trotzdem nicht oberflächlich. Sie schafft es, die düstere Atmosphäre mit einem fast schon lakonischen Ton zu verbinden, der das Kopfkino richtig anheizt. Die Insel bekommt fast schon Körper und Seele – das macht das Lesen zu einem richtig rundum-sorglos-Erlebnis für Krimifans, die nicht nur stumpf mitermitteln wollen, sondern auch die Menschen hinter den Fällen kennenlernen möchten.
Klar, an einigen Stellen hätten die Charaktere noch ein bisschen mehr Tiefe vertragen können. Manchmal wirkte die Auflösung etwas gehetzt – aber hey, das kann ich bei einem so temporeichen Buch locker verzeihen. Außerdem hätte ich mir ein bisschen mehr Hintergrund zu Livs persönlichem Umfeld gewünscht, um mich noch mehr mit ihr zu verbinden.
Wer auf düstere Nordseekrimis steht, in denen der Sog des Wassers genauso unheimlich wird wie die menschlichen Abgründe, liegt mit „Brennende Gischt“ goldrichtig. Ein clever aufgebaute Thriller mit sympathischen Figuren, der mich gut unterhalten hat und Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – definitiv empfehlenswert für alle, die es gerne spannend, rau und ein bisschen geheimnisvoll mögen.