Die Kathedrale des Meeres
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Die Kathedrale des Meeres“ aufgeschlagen, fühlt man sich direkt mitten hineinversetzt in das pulsierende, raue Leben des mittelalterlichen Barcelonas. Wer auf historische Romane steht, bei denen man nicht nur die großen Bauwerke, sondern auch die Schicksale dahinter spürt, ist hier genau richtig. Die Geschichte dreht sich um Arnau, einen jungen Steinträger, der sich in einer Zeit voller Ungerechtigkeiten und Machtspiele seinen Weg vom einfachen Handwerker zum angesehenen Bürger bahnt – und das vor dem epischen Hintergrund einer gigantischen Kathedrale, die fast wie ein eigener Charakter wirkt.
Was mich besonders gepackt hat, sind die lebendig gezeichneten Figuren, von Arnau bis zu den Nebencharakteren, die die Grausamkeit und Chancen der damaligen Gesellschaft wunderbar widerspiegeln. Falcones’ Schreibstil ist dabei kein staubiges Geschichtsbuch-Gewichse, sondern er erzählt sehr anschaulich und mit einer Prise erzählerischer Leichtigkeit, die das Lesen zum Vergnügen macht. Zwischendurch denkt man sich schon mal: „Mann, was für eine Zeit!“, weil einem die Gräueltaten und der soziale Aufstieg quasi unter die Haut gehen.
Ein kleines Manko? Manchmal schleicht sich der Plot ein wenig in vertraute Muster ein und manche Wendungen wirken etwas vorhersehbar. Außerdem hätte der Roman stellenweise noch mehr Tempo vertragen können, denn gerade die Passagen über das Stadtleben drum herum sind schmackhaft, aber ein bisschen langatmig erzählt. Doch das trübt den Spaß nur minimal. Wer für sich aufregende Epen mit historischem Tiefgang sucht, wird hier voll bedient.
Kurz gesagt: „Die Kathedrale des Meeres“ ist ein großartiger Mix aus Drama, Geschichte und starken Charakteren, der richtig unter die Haut geht. Eine Top-Empfehlung für alle, die gerne in eine lebendige Vergangenheit abtauchen und mit einem Protagonisten mitfiebern wollen, der sich durch eine Welt voller Herausforderungen kämpft. Von mir gibt’s klare 4 von 5 Sternen.
Klappentext
Barcelona im 14. Jahrhundert: Die Landbevölkerung stöhnt unter dem Joch der Feudalherren. Barcelona jedoch ist frei. Und Barcelona ist reich. Hier macht der junge Arnau seinen Weg vom mittellosen Steinträger zu einem der angesehensten Bürger der Stadt. Er ist Teil eines unerhörten Plans: die Errichtung einer Kathedrale, die den Himmel stürmen soll.
Gelesen von Wolfgang Condrus.
(Laufzeit 10h 3)