Buberlpartie
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Buberlpartie“ aufgeschlagen, steckt man mitten in einem Wiener Markttreiben, das plötzlich von einem erschütternden Ereignis zerrissen wird. Petra Hartlieb schafft es meisterhaft, diesen Moment der Ruhe vor dem Sturm zu skizzieren und einen sofort emotional zu packen. Die Geschichte rund um Chefinspektorin Alma Oberkofler ist spannend, vielschichtig und lässt einem nicht so schnell los.
Im Zentrum steht Alma, die gerade in den wohlverdienten Urlaub starten will, als sie Zeugin eines tödlichen Autounfalls mit Explosion wird – mitten in einem lebendigen Viertel Wiens. Die Opfer sind so unterschiedlich wie ihre möglichen Motive: ein jüdischer Restaurantbesitzer, ein linker Journalist, eine junge Kellnerin und eine ukrainische Familie, die in dem Haus wohnen. Schnell zeigt sich, dass der Fahrer aus der rechtsextremen Szene stammt, was die Ermittlungen zusätzlich verkompliziert. Hartlieb präsentiert hier nicht nur einen Krimi, sondern auch ein gesellschaftliches Panorama voller Spannungen und politischer Intrigen, die sich bis in die höchsten Ämter ziehen.
Alma ist eine Figur, der man unbedingt folgen will: zäh, pragmatisch, aber mit einer Spur Empathie, die das Gros der Krimi-Helden oft vermissen lässt. Ihr Team ist gut ausbalanciert, genau so, wie man es sich für einen Ermittlerroman wünscht – genug Ecken und Kanten, um die Story lebendig zu halten. Der Schreibstil ist klar, schnörkellos und frisch, was dem eher komplexen Thema eine tolle Zugänglichkeit verleiht. Man spürt die Wiener Luft und das Knistern der Atmosphäre bei jeder Szene.
Was mir besonders aufgefallen ist: Hartlieb nimmt sich Zeit, um trotz des temporeichen Geschehens auch die Hintergründe der Figuren und deren persönliche Konflikte zu beleuchten, ohne dabei in langatmige Abschweifungen zu verfallen. Das macht den Krimi nicht nur spannend, sondern auch menschlich nah. Einziger kleiner Kritikpunkt: Manche Nebenhandlungen wirken stellenweise etwas zu konstruiert und hätten vielleicht eine Prise weniger Drama vertragen. Aber mal ehrlich – in einem Wiener Politkrimi darf’s ruhig ein wenig die Extrawurst sein, oder?
Wer also Lust auf einen fesselnden, gut durchdachten, aber gleichzeitig leicht zu lesenden Krimi hat, der nicht nur auf der Ebene des Whodunits überzeugt, sondern auch gesellschaftliche Fragen auf den Tisch bringt, ist bei „Buberlpartie“ genau richtig. Petra Hartlieb liefert einen spannenden Mix aus Politik, Menschlichkeit und klassischem Thriller, der Lust auf mehr macht.
4 von 5 Sternen – ein Wiener Krimi mit Ecken, Kanten und jeder Menge Herz.