Alles wird Asche (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 12)
Kritik
Manchmal liest man einen Krimi und hat das Gefühl, mitten in einem packenden Thriller-Blockbuster zu stecken – so geht es einem bei „Alles wird Asche“ von Nele Neuhaus. Gleich zu Beginn zieht der fiese Unfall im Rohbau eines Frankfurter Hochhauses einen richtig ins Geschehen. Was nach unerträglichem Pech aussieht, entpuppt sich schnell als ebenso clever wie skrupellos geplante Mordserie, die den Ermittlern Oliver von Bodenstein und Pia Sander alles abverlangt.
Die Geschichte führt uns tief in die Schattenwelt eines Tech-Milliardärs und seines komplexen Familien- und Firmenkonstrukts – ein Setting, das heutiger kaum sein könnte. Besonders spannend: die Verwebung von Hightech-Themen wie KI-Chatbots mit all den menschlichen Abgründen und Loyalitäten, die dahinterstecken. Bodenstein und Sander spielen wieder gewohnt starke Ermittlerrollen, die mit ihrem Wechselspiel aus Empathie, Cleverness und gelegentlicher Selbstzweifel sehr greifbar bleiben. Neuhaus’ Erzählstil ist flüssig, dynamisch und hält die Spannung konstant hoch, ohne sich in endlosen Details zu verlieren.
Was mir besonders gefallen hat? Die vielen kleinen Überraschungen und die Fähigkeit der Autorin, einen komplexen Fall so zu erzählen, dass man nie den Faden verliert – auch wenn man das ein oder andere Mal kurz innehalten und Luft holen muss, weil es einfach richtig intensiv wird. Einzige kleine Macke: Manchmal schlichen sich ein paar Wiederholungen ein, die den Lesefluss minimal bremsen, aber das stört wirklich nur auf hohem Niveau.
Wer Lust auf nervenzerreißende Spannung, moderne Kriminalliteratur mit gesellschaftlichem Hintergrund und ein Ermittlerduo, das richtig gut funktioniert, hat, wird hier bestens bedient. Ein echtes Muss für alle, die gern einen Thriller lesen, der nicht nur clever, sondern auch emotional mitnimmt.
4 von 5 Sternen – „Alles wird Asche“ ist ein kriminalistisches Feuerwerk, das man als Fan des Genres nicht verpassen sollte.