Wenn dir das hier gefiel …
Das vergoldete Siel: Ostfrieslandkrimi
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Kapitel fühlt man sich direkt in die salzige Luft von Greetsiel versetzt – Nordsee-Charme trifft hier auf eine düstere Kriminalgeschichte, die einem sofort unter die Haut geht. Jörn Slieter hat mit „Das vergoldete Siel“ einen Ostfrieslandkrimi geschrieben, der deutlich mehr bietet als die üblichen Küstenklischees. Es geht um Macht, Habgier und eine Liebe, die inmitten von Intrigen und düsteren Machenschaften auf eine harte Probe gestellt wird.
Im Mittelpunkt stehen der skrupellose Reeder Onno Bentsen, sein zukünftiger Verbündeter, der kalte Investor Malte von Ahren, und die mutige Wiebke, die sich nicht so einfach verheiraten lassen will, wie es sich ihr Vater wünscht. Dann ist da noch Jan, der ehrliche Bootsbauer, der – zwischen Schulden und Herzschmerz – plötzlich als Hauptverdächtiger in einem Mordfall dasteht. Die Charaktere sind dabei so lebensecht gezeichnet, dass man sich einem Moment nicht entscheiden kann, ob man sie verurteilen oder verstehen soll.
Slieter erzählt flott und mit genug Tempo, um die Spannung immer hochzuhalten, ohne dass das Ganze gestellt wirkt. Das Nordsee-Flair hat mich besonders begeistert: Der Nebel, das Wasser, die raue Küste – man spürt förmlich den Wind in den Haaren. Lediglich an manchen Stellen hätte die Handlung etwas weniger konstruiert sein können, hier und da wirkt die Intrige doch ein bisschen zu perfekt gestrickt. Aber hey, das nimmt dem Lesefluss kaum was, wenn man sich erstmal eingefuchst hat.
Wer also Lust auf einen regional verankerten Krimi mit viel Gefühl, Spannung und einer Prise norddeutschen Understatements hat, liegt hier genau richtig. Für einen gemütlichen Abend, an dem das Wetter draußen stürmt und man sich mit einem guten Buch ins Warme zurückziehen will, ist „Das vergoldete Siel“ eine solide Wahl.
4 von 5 Sternen – ein mitreißender Ostfrieslandkrimi, der neugierig macht auf mehr von Jörn Slieter.