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Der Krieg ist anderswo
Key Facts
Kritik
Schon nach den ersten Seiten spürt man, wie nah dran man an einer Gesellschaft ist, die auf den ersten Blick so weit weg und schwer zu verstehen scheint – und doch so viele menschliche Geschichten im Gepäck hat. „Der Krieg ist anderswo“ entführt uns direkt in den Wirrwarr russischer Realität unter Putins Herrschaft, erzählt durch die Begegnungen mit einem jungen Ex-Wagner-Söldner und vielen weiteren Stimmen aus unterschiedlichen Ecken des Landes.
Åsne Seierstad und Anja Lerz nehmen uns mit auf eine Reise quer durch Russland, von den abgelegenen Regionen Sibiriens bis zu den anonymen Großstädten, und zeigen, wie vielfältig und widersprüchlich die Haltung der Menschen zum Krieg und zur Regierung ist. Dabei entsteht kein Schwarz-Weiß-Bild, sondern ein facettenreiches Panorama voller Angst, Verblendung, Mut und Resignation. Besonders stark: Die lebendigen Porträts der Menschen, die mehr sind als nur Statisten einer geopolitischen Großmacht – sie bekommen Gesichter, Stimmen, Ecken und Kanten.
Der Schreibstil ist schnörkellos, manchmal fast dokumentarisch, dabei aber so fesselnd, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Man merkt sofort, dass hier tief recherchiertes journalistisches Handwerk vorliegt, verpackt in eine extrem zugängliche Erzählweise, die keine komplizierten Fachbegriffe oder ideologischen Ballast braucht. Das macht es auch für Leser:innen spannend, die sich nicht tagtäglich mit Politik oder Krieg beschäftigen.
Klar, manchmal wirkt das Tempo etwas ungleichmäßig, und die vielen Perspektiven können stellenweise ein bisschen überwältigend sein. Aber ehrlich gesagt gehört das irgendwie auch zur Realität, die hier eingefangen wird – das Leben in einem Land, das innerlich zerreißt und sich doch präsentiert wie ein monolithischer Block.
Fazit: Dieses Buch ist eine echte Empfehlung, wenn ihr hinter die Kulissen globaler Schlagzeilen blicken wollt und Interesse an den Menschen habt, die mitten im Chaos stecken – weit weg von simplen Schwarz-Weiß-Denkmustern. Für alle, die etwa Reportagen und realistische Einblicke lieben, ein must-read.
4 von 5 Sternen – nahbar, spannend und zum Nachdenken anregend.
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