Das Haus am Deich - Fremde Ufer - Das Haus am Deich, Band 1 (Ungekürzt)
Kritik
„Das Haus am Deich – Fremde Ufer“ von Regine Kölpin: Eine Geschichte, die das Herz berührt
Wer schon einmal den salzigen Wind an der Nordsee gespürt hat, weiß: Dort draußen liegt nicht nur das Meer, sondern auch eine große Portion Sehnsucht nach Heimat und Neubeginn. Regine Kölpins Roman „Das Haus am Deich – Fremde Ufer“ hat mich genau dort abgeholt – inmitten von Flucht, Verlust und der Suche nach einem sicheren Hafen.
Die Geschichte spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit und erzählt von Frida, die mit ihren Eltern aus Stettin fliehen musste, und ihrer Kindheitsfreundin Erna. Beide Frauen sind auf unterschiedliche Weise auf der Suche nach Halt in einer Welt, die alles andere als einfach ist. Frida träumt von einer Karriere als Pianistin, doch harte Arbeit auf einem Bauernhof lässt ihre Träume in weite Ferne rücken. Erna hat selbst mit Familienproblemen und einer ungewissen Zukunft zu kämpfen. Das kleine Haus am Deich wird zum Symbol für Hoffnung, Zugehörigkeit und neue Chancen.
Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist Regine Kölpins lebendiger Schreibstil. Sie schafft es, die raue Nordsee-Atmosphäre, das Meerrauschen und die innere Zerrissenheit ihrer Figuren so eindringlich zu vermitteln, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst auf dem Deich zu stehen – mit klammen Fingern und einem Herzen voller Hoffnung. Die Charaktere sind wunderbar vielschichtig und authentisch, man spürt ihre Verletzlichkeit und gleichzeitig ihre Stärke. Gerade die Freundschaft zwischen Frida und Erna wird so warm und ehrlich beschrieben, dass man sofort mitfiebert.
Klar, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht – vor allem, weil die Erzählung sehr detailverliebt ist. Für Leser:innen, die es eher knackig mögen, könnte das zum kleinen Stolperstein werden. Auch die sehr düstere Grundstimmung wird nicht durchgehend aufgelockert, was manchen zu schwer sein könnte.
Fazit: Wer Geschichten liebt, die tief gehen, mit emotionaler Kraft und historischer Tiefe überzeugen und dabei eine Prise norddeutsche Seele versprühen, macht mit „Das Haus am Deich – Fremde Ufer“ absolut nichts verkehrt. Ein ideales Buch für alle, die eine bewegende Familiengeschichte mit authentischen Figuren suchen.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Ein solides, emotionales Debüt der Trilogie, das Lust auf mehr macht – auch wenn es stellenweise ein wenig Zeit braucht, um richtig Fahrt aufzunehmen.