Jenseits der Brandmauer - Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Sobald man die erste Seite von Monchis „Jenseits der Brandmauer“ aufschlägt, spürt man sofort das ehrliche, rauchige Gefühl einer Ecke, in der so vieles zusammenkommt: Heimat, Wut, Hoffnung und manchmal auch diese lähmende Resignation. Monchi nimmt uns mit auf eine ganz persönliche Reise zurück in seine Vorpommersche Provinz, ein Ort, der geprägt ist von Widersprüchen und tiefem Zusammenhalt – auch wenn es manchmal schwerfällt, ihn zu sehen.
Im Kern geht es um genau das: Bleiben, wo andere gehen, und verstehen wollen, warum. Monchi erzählt von den Menschen, die er kennt – vom AfD-Stammtisch bis zum kleinen Skatepark, den eben diese widersprüchlichen Charaktere gemeinsam möglich machen. Man fühlt den Zwiespalt, die Hilflosigkeit, aber auch den unbändigen Willen, aktiv zu bleiben und nicht aufzugeben. Die Hauptfigur? Eigentlich Monchi selbst, als Chronist, Beobachter und Mittler, der mit viel Selbstkritik und Ohne-Filter-Sein die Brüche und Chancen seiner Heimat beleuchtet.
Der Schreibstil ist dabei alles andere als trocken oder akademisch. Monchi spricht so, wie er singt: direkt, ehrlich, manchmal laut und dann wieder ungemein verletzlich. Es klingt, als würde er dir im Freundeskreis erzählen – mit Ecken, Kanten und einer Portion Humor, die den dicken Brocken Politik und Gesellschaft überraschend zugänglich macht. Mir hat besonders gefallen, wie authentisch die Menschen aus der Provinz hier dargestellt werden – weit weg von Klischees, dafür mit all ihrer Komplexität.
Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Lesung für meinen Geschmack an manchen Stellen etwas lang gezogen wirkt. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass Monchi noch direkter auf Lösungen zusteuert oder einzelne Erlebnisse knackiger erzählt. Aber gerade das macht das Buch auch menschlich und lebendig: Es ist kein Rundumschlag, sondern ein Gesprächsangebot für alle, die mehr verstehen wollen.
Für alle, die sich für gesellschaftliche Brüche in Ostdeutschland interessieren, die sich nach einer nuancierten Perspektive sehnen und bereit sind, sich mit schwierigen Fragen des Zusammenlebens auseinanderzusetzen, ist „Jenseits der Brandmauer“ eine echte Empfehlung. Keine leichte Kost, aber eine, die hängenbleibt.
4 von 5 Sternen – ein mutiges, aufrichtiges Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte, wenn man wissen will, wie Hoffnung und Kampfgeist in herausfordernden Zeiten aussehen.
Klappentext
Ein Plädoyer gegen Schwarz-Weiß-Denken und für den Versuch eines Miteinanders, wenn die Gegensätze unüberwindbar scheinen. Keine einfachen Antworten, aber ein offenherziger und selbstkritischer Versuch, herauszufinden, was jetzt noch einen Unterschied machen könnte.
Nach vielen Jahren in Rostock kehrt Monchi, Sänger von "Feine Sahne Fischfilet", in die vorpommersche Provinz zurück. Als bei der Bundestagswahl 54 Prozent der Stimmen in seinem Geburtsort, wo er fast jeden kennt, an die AfD gehen, kann er es kaum fassen. Dabei weiß Monchi längst: Ein Leben hier funktioniert nur neben- und miteinander, trotz aller Kontraste. Die Kneipe, in der die Band ihr Festival plant, wird auch für den AfD-Stammtisch genutzt. Auf dem Grundstück neben dem Proberaum wurde eine schwarz-weiß-rote Flagge gehisst. Aber die verschiedensten Menschen helfen mit, als ein Skatepark für die Jugend gebaut wird.
Welche Ängste haben sie, welche Hoffnungen? Wie kann man es schaffen, trotz allem optimistisch in die Zukunft zu schauen? Monchi will bleiben, wo sich schon so viele verabschiedet haben, will vor Ort etwas bewegen. Um hoffentlich dort alt werden zu können, wo er es so sehr liebt wie nirgends sonst.