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Erschienen:
2015-02-16
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Altes Land

Kritik

Manchmal trifft ein Buch genau den Nerv, ohne dass man es von Anfang an erwartet. „Altes Land“ von Dörte Hansen ist so ein Schatz – eine Geschichte über Heimat, Wurzeln und die komplizierte Kunst, Familie zu sein, auch wenn man sich gar nicht so fühlt.

Im Mittelpunkt stehen Vera und Anne: Zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen, die beide mit ihrer eigenen Art von Fremdheit kämpfen. Vera, einst das „Polackenkind“ auf dem Bauernhof, das nie ganz ankam, und Anne, die Mutter, die aus dem quirligen Hamburg ins stille Alte Land flieht, um vor allem vor ihrem kaputten Familienleben davonzulaufen. Dörte Hansen erzählt das auf eine erfrischend direkte und dennoch sensible Weise, die ganz ohne Kitsch auskommt. Ihre Sprache ist fokussiert, dabei aber lebendig und oft herrlich lakonisch – ich musste mehr als einmal schmunzeln über diesen trockenen Humor, der genau den richtigen Ton trifft.

Die Figuren sind wunderbar vielschichtig gezeichnet. Vera wirkt manchmal taff, dann wieder verletzlich – eine Mischung, die so realistisch ist, dass man fast das Knarren des alten Hauses unter den Füßen hört. Anne dagegen kämpft mit den altbekannten Großstadtproblemen und ganz eigenen Erwartungen an das Leben, die nicht so einfach loszulassen sind. Was mir besonders gefallen hat: Die Geschichte geht tief, ohne dabei zu schwer oder langatmig zu werden. Man spürt den Boden, auf dem diese Frauen stehen, und irgendwie auch die Last der Geschichte, die sie tragen, ohne dass es ihnen im Nacken sitzt.

Kleine Abzüge gibt’s für meinen Geschmack bei manchen Passagen, die sich hier und da etwas ziehen – vielleicht hätte ein bisschen mehr Tempo gut getan. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau, denn „Altes Land“ ist ein Buch, das man langsam genießen will.

Wer Lust hat auf eine berührende Familiengeschichte mit Witz, Tiefgang und einer Prise norddeutschem Charme, die ohne großes Trara zeigt, wie schwierig und schön das Leben sein kann, wird hier bestens bedient. Perfekt für alle, die gerne in Charaktere abtauchen, die einem noch lange im Kopf bleiben.

4 von 5 Sternen – ein Stück Literatur, das heimisch macht.

Klappentext

Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von Familie

Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.
Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

FAQ

Zwei Frauen, ein altes Haus und eine Art von FamilieDas „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen.…

Was mir besonders gefallen hat: Die Geschichte geht tief, ohne dabei zu schwer oder langatmig zu werden. Man spürt den Boden, auf dem diese Frauen stehen, und irgendwie auch die Last der Geschichte, die sie tragen, ohne dass es ihnen im Nacken sitzt.

Wenn du Lust auf einen spannenden Page‑Turner hast, ist das ein guter Start.

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