The Horus Heresy, 2: Falsche Götter (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man die ersten Seiten von „Falsche Götter“ aufgeschlagen, fühlt man sich direkt in diesen brodelnden Kosmos aus Intrigen, Loyalität und Verrat gezogen – da will man einfach wissen, wie es weitergeht. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Die Geschichte spielt weit weg von Terra, wo die XVI. Legion, jetzt als „Sons of Horus“ bekannt, sich durch den großen Kreuzzug kämpft. Horus, der einst unangefochtene Kriegsheld, bekommt plötzlich andere Seiten zu sehen: Er zieht sich zurück, verlässt sich auf seine Berater und zeigt erste Risse in seiner einst so strahlenden Führung. Captain Garviel Loken, der wirklich coole Typ mit starkem Gerechtigkeitssinn, merkt, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Als die Truppe den Mond Davin angreift, eskaliert die Lage und man spürt förmlich, wie sich das Schicksal der Legion langsam verdunkelt.
Graham McNeill schreibt dabei so, dass man nie das Gefühl hat, in einer trockenen militärischen Abhandlung zu landen. Vielmehr hockt man fast mit im Sand, ganz nah an den Charakteren, und erlebt ihre Zweifel, Ängste und Loyalitäten mit. Besonders stark fand ich die Atmosphäre, die McNeill aufbaut: Es brodelt permanent etwas unter der Oberfläche, und man spürt das Knistern zwischen Kameradschaft und dem drohenden Verrat. Die Figuren wirken lebendig, mit Ecken und Kanten – da wird nichts geschönt. Gerade Garviel Loken hat es mir angetan, weil er als Gegenpol zu Horus die innere Zerrissenheit einfängt, die das Herz der Geschichte bildet.
Klar, wer noch nie was mit dem Warhammer-Universum zu tun hatte, könnte hier anfangs ein bisschen Orientierungsschwierigkeiten bekommen. Und manchmal zieht sich die Handlung an kleineren Stellen etwas, was kurz die Spannung dämpfen kann. Trotzdem – die Action und die emotionalen Momente machen das locker wieder wett.
Am Ende steht eine fesselnde Erzählung, die nicht nur mit epischer Schlachtenkost aufwartet, sondern auch die dunklen Seiten von Helden und Göttern beleuchtet. Für Fans von komplexen Sci-Fi-Sagas mit viel Drama, innerem Konflikt und verräterischer Atmosphäre ist „Falsche Götter“ ein Muss. Für Neulinge im Horus-Heresy-Universum gilt: am besten nicht abschrecken lassen, der Einstieg lohnt sich definitiv.
4 von 5 Sternen – weil die Geschichte so packend ist, dass man fast mitfiebern muss, selbst wenn kleine Längen das Tempo kurz drosseln. Ein ganz schön starkes Stück Weltraum-Drama!