Liebe von Meer zu Meer (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal braucht es kein großes Drama, um das Herz komplett zu erwärmen – Heike Denzau schafft genau das mit „Liebe von Meer zu Meer“. Gleich mit den ersten Seiten fühlt man die salzige Nordseeluft und die bittersüße Sehnsucht, die Paula Ahmling begleitet. Sie zieht mit ihren drei Kindern aufs wunderschöne Föhr, um ein Versprechen einzulösen: das einstige Kinderparadies ihres verstorbenen Mannes zu finden. Klingt nach Urlaub, oder? Ist aber viel mehr – eine Reise zurück zu sich selbst, zu Erinnerungen, die schmerzen, und ganz langsam zu neuer Hoffnung.
Paula ist eine Figur, die sofort nahbar wirkt. Als Mutter, die stark sein muss, obwohl ihr Inneres oft in Aufruhr ist, nimmt sie uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Ihre Kinder bringen dabei eine frische Leichtigkeit ins Geschehen, die für den richtigen Ausgleich sorgt. Der Schreibstil? So bodenständig und liebevoll, dass man zwischendurch wirklich glaubt, das Meer rauschen zu hören. Denzau versteht es, mit einfachen Worten große Gefühle zu zeichnen, ohne dabei kitschig zu werden – das ist definitiv ihr Pluspunkt.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manche Passagen ziehen sich ein bisschen, gerade wenn es um die Detailverliebtheit rund ums Wohnen und Dekorieren geht. Das ist zwar stimmig für die Atmosphäre, aber etwas weniger hätte es auch getan. Zudem hätte ich mir ein bisschen mehr Tempo in einigen Szenen gewünscht, damit der Erzählfluss nicht ganz so gemächlich wirkt.
Wer also Lust auf eine gefühlvolle Geschichte hat, die ohne großes Tamtam von Verlust, Mut und Neubeginn erzählt und dabei eine einzigartige Küstenstimmung einfängt, liegt mit „Liebe von Meer zu Meer“ goldrichtig. Ein Buch für alle, die das Leben in seinen kleinen Wellen lieben – hier spürt man: Heilung ist möglich, auch wenn der Sturm mal ordentlich tobt.
4 von 5 Sternen – weil es vor allem ans Herz geht und genau das macht dieses Buch so sympathisch.