In Liebe, Deine Paula
Kritik
Manchmal reicht ein Gegenstand – wie hier ein Fuchspelzmantel – und plötzlich fühlt man sich mitten in einer anderen Zeit, mitten im Leben einer Frau, die so viel mehr war, als man auf den ersten Blick sieht. „In Liebe, Deine Paula“ nimmt dich mit auf eine Reise ins faszinierende New York der dreißiger Jahre, voller Jazz, Geheimnisse und einer Liebe, die Jahrzehnte überdauert.
Die Geschichte entfaltet sich aus der Perspektive von Esther, die im Hier und Jetzt „entsorgt“, was einst das Leben ihrer Mutter Paula prägte – und damit eine Kette von Erinnerungen in Gang setzt. Paula, die deutsche Auswanderin, die als Kindermädchen in einer reichen Familie arbeitete, strahlt mit ihrem Freiheitsdrang, ihrer Hoffnung und den emotionalen Tiefen. Zwischen den glamourösen Kulissen New Yorks und dem Schatten eines Verrats entwickelt sich ein Erzählfluss, der neugierig macht, ohne je zu überfordern. Lucinde Hutzenlaubs Sprache ist dabei klar und elegant, bleibt lebendig, fast so, als würde man Paula und Esther bei einem Tee lauschen.
Was mir richtig gut gefallen hat? Die Kombination aus historischer Atmosphäre und Intimität. Die Figuren wirken real und verletzlich, nicht nur schmückendes Beiwerk einer hübschen Kulisse. Paula ist keine perfekte Heldin, sondern eine Frau mit Schwächen und Träumen – das macht sie nahbar und sympathisch. Esther ist der Anker im Jetzt, der alle Fäden zusammenführt, indem sie sich nicht scheut, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen.
Kleine Schwäche? Die Erzählgeschwindigkeit schwankt ab und zu, einige Abschnitte ziehen sich eher dahin, was die Spannung manchmal etwas ausbremst. Auch hätte ich mir an einigen Stellen noch etwas mehr Einblick in die Nebencharaktere gewünscht, deren Leben die Geschichte bereichern würden.
Wer also Lust auf eine gefühlvolle Mischung aus Familiendrama, Historienroman und Liebesgeschichte hat, die ohne Klischees auskommt, liegt mit „In Liebe, Deine Paula“ goldrichtig. Perfekt für alle, die gern in vergangenen Zeiten schwelgen und dabei herzliche Figuren treffen wollen.
4 von 5 Sternen – ein warmes Leseerlebnis, das nachklingt.
Klappentext
Als Esther den Dachboden ihres Einfamilienhauses in Stuttgart ausmistet, fällt ihr der elegante Fuchspelzmantel ihrer Mutter Paula in die Hände. Und mit einem Mal sind all die schmerzhaften Erinnerungen wieder da, denn der Mantel hat eine lange Geschichte: Er stammt aus Paulas Jahren als Kindermädchen bei einer der reichsten Familien New Yorks. Esther weiß, wie sehr ihre Mutter das Leben in der pulsierenden Metropole der Dreißigerjahre liebte, die Jazzclubs und die Spaziergänge im Central Park – und einen jungen Anwalt namens Norman. Doch der Mantel erinnert Esther auch an all die Geheimnisse, an den schrecklichen Verrat und schließlich an Paulas plötzliches Verschwinden. Und sie weiß, dass es nun endlich an der Zeit ist, sich auf die Suche zu machen nach jener großen Lebensliebe, die das Schicksal ihrer Familie für immer veränderte ...