In eisige Höhen - Das Drama am Mount Everest (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man angefangen, dieses Buch zu lesen, fühlt man sich schon fast selbst in eisige Höhen katapultiert – der Atem wird flacher, das Herz schlägt schneller, und man spürt förmlich, wie der dünne Sauerstoff einem um die Ecke lugt. Jon Krakauer nimmt uns mit auf diese extrem gefährliche Expedition zum Mount Everest, die tragisch endete und das Bergsteigen für immer veränderte.
Im Kern geht es um das Drama im Frühjahr 1996, als eine Gruppe von Abenteurern und extrem ambitionierten Kletterern unter extremen Bedingungen versuchte, den Gipfel zu erreichen – nicht nur aus Leidenschaft, sondern auch, weil das Bergsteigen plötzlich zum Geschäft wurde. Krakauers Bericht ist eine Mischung aus packender Reportage und persönlicher Erzählung: Er war selbst dabei, das macht die Geschichte unglaublich intensiv. Man lernt die Menschen hinter der Bergsteiger-Fassade kennen – ihre Hoffnungen, ihre Fehler, ihre Stärke und ihre Zerbrechlichkeit. Vom erfahrenen Guide bis zum hobbyhaften Grenzgänger, jeder bekommt seine eigene facettenreiche Charakterzeichnung, die sogar beim Bergsteiger-Mythos mal kurz durchatmen lässt.
Der Schreibstil ist klar, echt und spannend, fast schon filmisch, aber nie überladen oder pathetisch. Krakauer schafft es, Fakten auf eine Weise zu erzählen, die sofort ins Herz trifft und den Leser mitten ins Geschehen zieht. Man spürt die Kälte, die Erschöpfung und die Verzweiflung – und das macht das ganze Buch unfassbar nahbar. Gleichzeitig gibt es genug Raum, um über die ethischen Fragen und die Kommerzialisierung des Bergsteigens nachzudenken, ohne dass es belehrend wirkt.
Ein kleiner Wermutstropfen vielleicht: Gerade wer mit dem Thema gar nichts am Hut hat, könnte sich an manchen technischen Passagen oder detailreichen Beschreibungen vom Bergsteiger-Alltag etwas festlesen. Aber hey, wer richtig eintauchen will, wird dafür belohnt.
Kurz gesagt: Wer Lust auf eine emotionale, spannende und gut recherchierte Geschichte über das Streben nach dem ultimativen Abenteuer hat und wissen will, wie nahe Triumph und Tragödie manchmal beieinander liegen, der ist hier genau richtig. Ein echtes Must-Read für alle, die das Unbekannte lieben, aber auch die Schattenseiten nicht scheuen.
4 von 5 Sternen – packend, ehrlich und mit viel Tiefgang.