Es geht weiter.... Nuhr auf Tour '26
Kritik
Wer Dieter Nuhr kennt, weiß ungefähr, was einen erwartet: ein feiner Mix aus Ironie, Gesellschaftskritik und einem Hauch Selbstironie. „Es geht weiter.... Nuhr auf Tour '26“ enttäuscht da nicht – im Gegenteil, es fühlt sich fast so an, als würde man live dabei sein, wenn Nuhr gekonnt mit den Absurditäten unserer Zeit jongliert.
Im Kern ist das Buch weniger klassische Handlung als ein pointierter Monolog, der sich um Themen wie Männlichkeit, gesellschaftliche Erwartungen und natürlich die katholische Erbsünde dreht – natürlich alles mit einem sehr typischen Nuhr-Twist. Er schafft es, seine Pointen ehrlich, scharf und doch auf eine Art zu vermitteln, die nicht ins Bekloppte abdriftet. Dabei ist er weder selbstverliebt noch moralinsauer, sondern trifft oft genau ins Schwarze, dabei aber immer sympathisch und nahbar.
Sein Schreibstil ist kurzweilig und locker, perfekt für alle, die Spaß am Nachdenken haben, ohne sich belehrt zu fühlen. Was mir besonders gefallen hat: Nuhr schreckt nicht davor zurück, auch mal bei sich selbst nachzuhaken und die eigene Position zu hinterfragen. Das macht das Ganze viel ehrlicher und weniger „belehrend“. Ein bisschen schade fand ich, dass man manchmal das Gefühl hat, er spielt sich zu oft am gleichen Thema ab – ein bisschen mehr thematische Vielfalt hätte dem Buch gutgetan. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
Kurz gesagt: Wer Lust auf scharfzüngige Gesellschaftsutopien mit Herz und Hirn hat und nicht davor zurückschreckt, auch mal über die eigene Genderrolle zu lachen, wird hier bestens bedient. Es ist die perfekte Mischung aus Comedy und nachdenklichem Monolog, die einen begleitet, noch lange nachdem man das Buch geschlossen hat.
Vier von fünf Sternen – weil Nuhr es einfach draufhat, auch sensible Themen mit einem Augenzwinkern auf den Punkt zu bringen. Ideal für alle, die Humor mit Tiefgang mögen.