Das Kind in mir will achtsam morden
Kritik
Manchmal braucht es genau die richtige Mischung aus schwarzem Humor und überraschender Selbstreflexion, um einen echten Nerv zu treffen – und „Das Kind in mir will achtsam morden“ bringt das großartig auf den Punkt. Björn Diemel, der schon in der ersten Folge der Reihe für Chaos sorgte, ist zurück – und jetzt versucht er nicht nur, ein besserer Vater und Mann zu sein, sondern auch ein ganzheitlicherer Mörder. Klingt schräg? Ist es auch – aber gerade deshalb so erfrischend anders.
Im Mittelpunkt steht Björn, der den Stressjob hinter sich gelassen hat, sich selbstständig gemacht hat und mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen möchte. Doch trotz aller Bemühungen tobt in ihm ein innerer Kampf, der sich vor allem in unkontrollierten Wutausbrüchen zeigt. Sein Therapeut bringt ihn schließlich auf die Spur seines „inneren Kindes“ – und genau hier eröffnet sich eine ziemlich unterhaltsame und tiefgründige Psychoreise. Die Figuren sind alles andere als perfekt, was gerade Björn so sympathisch macht. Da ist nichts glattgebügelt, sondern ehrlich, ruppig und manchmal einfach nur herrlich absurd.
Der Schreibstil von Karsten Dusse ist locker, witzig und trotzdem intelligent. Man merkt, dass hier jemand Spaß am Erzählen hat, ohne dabei das Erzählen zu wenig ernst zu nehmen. Die Dialoge sprühen vor Schlagfertigkeit, und der Erzählton balanciert gekonnt zwischen Lakonie und Charme – so dass sich das Buch auch auf anstrengende Tage wunderbar lesen (oder hören) lässt. Besonders gefallen hat mir, dass das Buch trotz des humorvollen Settings tiefere Themen wie Selbstakzeptanz und familiäre Beziehungen nicht außer Acht lässt.
Kritisch gesehen, schleicht sich hier und da ein bisschen das Gefühl ein, dass manche Witze auf Kosten von Stereotypen gehen könnten. Und wer die erste Folge nicht kennt, könnte mit dem abrupten Einstieg zunächst etwas überfordert sein. Aber das sind eher kleine Stolpersteine, die den Lesespaß kaum trüben.
Für alle, die Lust auf ein Buch haben, das mit schwarzem Humor gegen die eigene Unvollkommenheit ankämpft und dabei auch noch richtig unterhaltsam ist, ist Karsten Dusse genau die richtige Wahl. Wer sich auf diese skurrile Mischung aus Psychothriller und Selbsthilfegeschichte einlässt, wird definitiv gut unterhalten.
4 von 5 Sternen – weil dieses Buch vor allem eines ist: erfrischend anders.
Klappentext
Inzwischen müsste es Björn Diemel besser gehen. Er hat den stressigen Job gekündigt und sich selbstständig gemacht. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Tochter und streitet sich kaum noch mit seiner Frau. Ach ja, und nebenbei führt er noch ganz entspannt zwei Mafia-Clans. Warum nur kann Björn das alles nicht genießen? Warum verliert er ständig die Beherrschung? Hat er das Morden einfach satt? Nein, nein, so ist es nicht. Sein Therapeut Joschka Breitner bringt ihn endlich auf die richtige Spur: Es liegt an Björns Innerem Kind!
Ungekürzte Lesung mit Karsten Dusse
8h 43min