Filmriss auf Immenhof
Kritik
„Filmriss auf Immenhof“ hat mich von der ersten Seite an eingeholt und irgendwie nicht mehr losgelassen – diese Mischung aus Nostalgie, Chaos und einer guten Portion Selbstfindung macht einfach Laune. Sophia, unsere Protagonistin, ist weit entfernt von der glatten Krimiheldin, die man sonst so kennt. Sie ist frisch getrennt, Mutter von zwei Teenagern und zu allem Überfluss nach einer wilden Retro-Party auf Gut Immenhof mit einem echten Horrorfilm-Problem konfrontiert: einem Filmriss und der abgetrennten Hand ihres Ex-Freundes direkt neben ihr im Bett. Klingt abgefahren? Ist es auch — und zwar auf die beste Art.
Man begleitet Sophia durch einen nervenaufreibenden Albtraum, der gleichzeitig voller Wärme und Erinnerungen steckt. Der Kontrast zwischen dem idyllischen Immenhof und dem dunklen Geheimnis schafft einen spannenden Spannungsbogen, der mich immer tiefer hineingezogen hat. Karsten Dusse schafft es dabei, nicht nur den Nervenkitzel zu liefern, sondern auch die psychologischen Feinheiten seiner Hauptfigur überzeugend herauszuarbeiten – man fühlt sich ihr so nah, dass man fast selbst mal den Filmriss bekommen möchte, um zu sehen, was dann passiert.
Der Schreibstil ist locker, lebendig und modern, aber niemals oberflächlich. Dusse schreibt so, dass man beim Lesen quasi neben Sophia sitzt, mit ihr lacht, grübelt und manchmal auch flucht. Klar, die Retro-Party mit Ponys und Wodka Red Bull wirkt stellenweise ein bisschen überspitzt, aber gerade dieser Kitsch gibt der Geschichte Charme und macht sie menschlich.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manche Stellen ziehen sich etwas, besonders wenn Sophia in Gedanken versinkt oder die „Tatnacht“ bis ins kleinste Detail rekonstruiert wird. Das hat mich kurzzeitig aus dem Flow gerissen, aber hey, das ist meckern auf hohem Niveau.
Wer Lust auf einen etwas anderen Krimi hat – one part spannende Whodunit, ein bisschen Feelgood und eine gute Portion Lebensrealität – ist hier genau richtig. Für mich ein unterhaltsamer Mix aus Kopfkino und Herzklopfen, der sich gelohnt hat.
4 von 5 Sternen – weil ich im Nachhinein doch öfter über den Filmriss schmunzeln musste. Definitiv empfehlenswert!
Klappentext
Die Kriminalpsychologin Sophia, geschieden, zweifache Teenager-Mutter und frisch getrennt, schenkt sich zum 45. Geburtstag ein Wochenende auf Gut Immenhof – für Sie der sehnsuchtsvolle Inbegriff von heiler Welt und Geborgenheit. Nach einer Retro-Party mit Pony-Romantik und Wodka Red Bull wacht sie allerdings mit einem Filmriss neben der abgetrennten Hand ihres Ex-Freundes auf. Da sie offenbar selbst ein Motiv für die Tat hatte, ermittelt sie lieber gleich gegen sich. Zwischen Kindheitsidyll und Mord rekonstruiert sie die Nacht – und findet dabei überraschend zu sich selbst zurück.
Gekürzte Lesung mit Karsten Dusse
6h 22min